Jürgen klopp: vom nothelfer zum welttrainer – eine mainz-geschichte
- Jürgen klopp: vom nothelfer zum welttrainer – eine mainz-geschichte
- Karnevalsstimmung trügt: mainz in der krise
- Christian heidel sucht nach einer lösung
- Die klopp-entscheidung am rosenmontag
- Eine packende antrittsrede
- Der beginn einer weltkarriere
- Erfolge und die rückkehr zum 4-4-2
- Ein erfolgreicher start und der aufstieg
- Die sprache der spieler und der unbedingte wille
Jürgen klopp: vom nothelfer zum welttrainer – eine mainz-geschichte
nnIch bin Klaus Schäfer, und heute blicke ich zurück auf eine der bemerkenswertesten Trainerkarrieren im deutschen Fußball. Es begann vor 25 Jahren, am 26. Februar 2001, in einer Situation der absoluten Verzweiflung beim FSV Mainz 05. Was als kurzfristige Lösung gedacht war, sollte den Startschuss für eine Trainerlegende geben.
nnKarnevalsstimmung trügt: mainz in der krise
nnIn Mainz, einer Stadt, die für ihren Karneval bekannt ist, herrschte an diesem Rosenmontag alles andere als Freude. Der FSV Mainz 05, damals ein Zweitligist, steckte tief im Tabellenkeller fest. Innerhalb eines Jahres hatten die Mainzer bereits vier Trainer verbraucht, darunter bekannte Namen wie Wolfgang Frank und René Vandereycken. Die Entlassung von Eckhard Krautzun nach nur drei Monaten und einer 1:3-Niederlage in Fürth machte die Situation noch prekärer. Der Verein befand sich auf Platz 17 und drohte mit dem Abstieg.
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Christian heidel sucht nach einer lösung
nnDer langjährige FSV-Manager Christian Heidel sah sich mit einer scheinbar aussichtslosen Aufgabe konfrontiert. Die Mannschaft galt als unmotivierbar und die Zeit drängte. Zwölf Spieltage vor Saisonende musste eine Lösung her. Heidel, verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Coach, fand die Antwort überraschenderweise nicht in den üblichen Trainerkandidaten, sondern innerhalb der eigenen Mannschaft.
nnDie klopp-entscheidung am rosenmontag
nnNach Rücksprache mit der Mannschaft fiel die Entscheidung: Der in Fürth ausgewechselte Verteidiger Jürgen Klopp, 33 Jahre alt und im Besitz der A-Lizenz, sollte zum Interimstrainer befördert werden. Die Idee war, ihn zunächst nur für die nächsten Spiele einzusetzen, um dann nach der Saison in den Trainerstab zu integrieren. Heidel holte sich schnell die Zustimmung von Präsident Harald Strutz ein.
nnEine packende antrittsrede
nnHeidel kontaktierte Strutz, der sich gerade noch in Gardeuniform von der Karnevalsparade zurückzog. „Wir müssen gleich nach Bad Kreuznach ins Trainingslager fahren, ich habe eine Lösung gefunden. Wir machen Jürgen Klopp sofort zum Trainer“, teilte er ihm mit. Strutz willigte ein und wurde kurz darauf Zeuge einer leidenschaftlichen Antrittsrede des jungen Trainers. „Es fehlte nicht viel und ich hätte um ein paar Fußballschuhe gebeten, um mit aufs Feld zu rennen“, beschrieb Strutz später den Stimmungswandel im Verein.
nnDer beginn einer weltkarriere
nnSo begann eine Karriere, die zunächst viele für einen Scherz hielten. Als der Verein am nächsten Tag die Entlassung von Krautzun bekanntgab, fragten die Journalisten scherzhaft: „Was macht denn der Kloppo da auf dem Podium?“ Doch die Mannschaft nahm die Entscheidung ernst und unterstützte den neuen Trainer voll und ganz. Heidel betonte: „Er ist ein Junge mit Herz, voll akzeptiert, unumstritten.“
nnErfolge und die rückkehr zum 4-4-2
nnKlopp stellte umgehend wieder auf das bewährte 4-4-2-System von Wolfgang Frank, mit dem der Verein 1997 knapp dem Aufstieg entgangen war. Eine der größten Herausforderungen für den neuen Trainer bestand darin, seine ehemaligen Kollegen und Freunde nun als Chef zu führen. Er erklärte jedem Spieler persönlich, warum er in der Startelf stehen würde – oder auch nicht. Diese Maßnahme, die er später bereute, wurde von den Spielern jedoch positiv aufgenommen.
nnEin erfolgreicher start und der aufstieg
nnDer Start verlief furios: Ein 1:0-Sieg gegen Duisburg und ein 3:1 gegen Chemnitz in den ersten beiden Spielen unter Klopp. Die Fans strömten in Scharen zum Bruchwegstadion und feierten ihren neuen Trainer. Klopp wurde daraufhin zum Cheftrainer bis Saisonende befördert. Am Ende der Saison erreichte der FSV Mainz 05 den 14. Platz und sicherte sich somit den Klassenerhalt.
nnDie sprache der spieler und der unbedingte wille
nnJürgen Klopp verstand es, die Sprache der Spieler zu sprechen und sie zu motivieren. „Er weiß, wie man erfolgreich spielt“, lobte sein ehemaliger Kollege Jürgen Kramny. Klopp forderte von seiner Mannschaft einen unbedingten Willen: „Es darf kein anderes Team geben, das den größeren Willen hat als wir.“ Diese Philosophie trug er später auch zu seinen Erfolgen in Dortmund und Liverpool mit.
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