Jocher startet trotz formkrise im super-g-finale

Simon Jocher fährt nach eigenem Ermessen „seinen Skistil verloren“ – steht aber am Sonntag trotzdem am Start des Super-G-Finale in Kvitfjell. Der 29-Jährige aus Garmisch rutscht auf Rang 25 der Saisonwertung, weil Courchevel wegen Sturm abgesagt wurde. Für ihn die letzte Chance, die Olympia-Enttäuschung von Bormio zu vergessen.

Der schwierige weg zurück

Nach seiner Bandscheiben-OP im März 2025 verlor Jocher zwölf Kilogramm. „Im Sommer war ich fast nur krank“, sagt er. Die Folge: kein rhythmisches Skifahren mehr. Er sei „aktiv unterwegs, sieht aber passiv aus“. Ein Satz, der Technik-Trainer nachtelang beschäftigt.

Der einzige Lichtblick blieb Livigno. Dort fuhr er auf Platz vier – 0,06 Sekunden hinter dem Podest. Seitdem folgten vier Rennen, in denen er nicht einmal die Top-30 knackte. Freitag in Kvitfjell: 41. Platz in der Abfahrt. „Wenn’s läuft, bist du ein Genie. Wenn’s nicht läuft, fragt man sich, ob man überhaupt noch Skifahren kann“, sagt Jocher trocken.

Warum er trotzdem nicht aufgibt

Warum er trotzdem nicht aufgibt

Jocher vertraut auf Mikro-Analysen: minimal kürzere Stöcke, härterer Ski, 0,5 Grad mehr Kantenwinkel. „Kleinigkeiten, die aber zählen, wenn du mit 120 km/h ins Ziel fliegst.“ Das Olympia-Trauma – 21. in der Abfahrt, 17. im Super-G – habe ihn gelehrt, „dass eine Saison nicht in zwei Läufen entschieden wird“.

Die unerwartete Final-Teilnahme verspricht Startgeld und wertvolle Weltcup-Punkte. Noch wichtiger: ein psychologisches Reset vor der Sommer-Vorbereitung. „Wenn ich hier wieder Kontrolle spüre, ist das der erste Schritt Richtung 2027“, so Jocher. Die Strecke in Kvitfjell gilt als technisch – seine Chance, das „hektische Schwungwechsel-Problem“ live zu kaschieren.

Er will nicht über die Saison sprechen. Er will sie abschließen. Und am Sonntag um 11.30 Uhr mit einem Top-15-Resultat die Tür zur Sommerpause mit einem Knall zuknallen. Denn: „Skifahren kann ich. Das habe ich nur verlegt – nicht verlernt.“