17 Nachlader, drei strafrunden: deutschland verpasst podest knapp

Justus Strelow schüttelt den Kopf, Vanessa Voigt atmet tief durch. Rang vier. Nur eine Handbreit vom Podest, doch die 17 Nachlader und drei Strafrunden haben dem deutschen Single-Mixed-Duo beim Biathlon-Weltcup in Otepää den Triumph gekostet. Der Rückstand auf die siegreichen Norweger: mehr als zwei Minuten. Eine Ewigkeit im Sprintformat.

Strelows schießdebakel zieht voigt in den sog

Der 29-jährige Sachse beginnt mit einem Debakel. Liegend verfehlt er dreimal, muss ins Looping. Voigt startet ihre Jagd, trifft stabil, doch jede Extrarunde frisst Sekunden, zehrt Nerven. „Das war mit Abstand das schlechteste Rennen, was ich je gemacht habe“, sagt Strelow im ARD-Mikro. Die Wut im Bauch sitzt tief, besonders über die liegenden Serien. „Absolut indiskutabel.“

Dennoch: Ohne Voigts saubere Arbeit wäre Deutschland nicht einmal in die Top Ten zurückgekehrt. Zwischenzeitlich rutschen sie außerhalb der Top 15. „Das Rennen war sehr hektisch“, erklärt die Thüringerin. Sie stemmt sich gegen das Scheitern, jagt Kilometer um Kilometer, bis wieder Kontakt zur Spitze aufkommt. Die letzte Runde wird zur Glanzleistung. Am Ende fehlen 35 Sekunden auf Bronze, 2:11 Minuten auf Gold.

Norwegen dominiert, frankreich fliegt raus

Norwegen dominiert, frankreich fliegt raus

Vorne liefern sich Norwegen, Schweden und Finnland ein enges Rennen. Die Skandinavier benötigen nur acht Nachlader, keine Strafrunde – ein Lehrbuch-Beispiel für Laufrhythmus und Präzision. Dahinter patzt Émilien Jacquelin: Ein verbotener Extra-Schuss kostet Frankreich die Disqualifikation. Die Regel ist klar: Wer mehr als die erlaubten fünf Geschosse abgibt, fliegt raus. Jacquelins Fehler wirft die Franzosen aus der Wertung, die Deutschen rutschen auf Platz vier nach oben.

Die Erinnerung an Antholz bleibt. Im Januar 2024 feierten Strelow und Voigt dort den ersten deutschen Sieg im Single-Mixed seit 2015 – mit nur einem Nachlader. Diesmal prallen Hoffnung und Frust aufeinander. Die Leistung schwankt wie das Wetter in Otepää. „Wir haben gezeigt, dass wir kämpfen können“, sagt Voigt. „Aber wir müssen die Schießanlagen wieder in den Griff bekommen.“

Die Weltcup-Saison ist lang, der nächste Sprint kommt schnell. Für Strelow heißt es nun: Kugel für Kugel analysieren, Atemrhythmus neu justieren. Die Konkurrenz schläft nicht. Und das Podest wartet – nächstes Mal ohne Looping-Zwang.