Jenny hipp vor leipzig-heimkehr: 'in köpenick atme ich fußball'

Am Samstag fährt Jenny Hipp nach Leipzig – und tritt dort gegen ihre eigene Vergangenheit an. Die Mittelfeldspielerin des 1. FC Union Berlin spielt gegen ihren Ex-Klub RB Leipzig, gegen ihre Lebensgefährtin Julia Landenberger und gegen die Erinnerung an einen Verein, der sie einst zum Bundesliga-Profi machte.

„Ehrlich gesagt wird das ein Spiel wie jedes andere“, sagt Hipp im Interview mit rbb|24. Sie wischt die Romantik beiseite. Keine Blicke zurück, keine Tränen der Rührung. „Das Rückspiel werden einfach 90 Minuten, die wir mit vollem Fokus angehen.“

Keine geheimnisse aus dem schlafzimmer

Landenberger und Hipp teilen sich die Wohnung in Berlin, aber nicht die taktischen Pläne. „Wir trennen unseren Beruf sehr klar von unserem Privaten“, sagt Hipp. Keine verstohlenen Fragen am Frühstückstisch, keine verdeckten Infos über Trainingsformen. Stattdessen: Konkurrenz auf dem Platz, Zärtlichkeit danach. „Das funktioniert, weil wir beide Profis sind.“

Die 26-Jährige kam im Sommer 2025 nach Köpenick – weg aus Leipzig, weg aus einem Klub, der sich mit Geld und Strukturen in die Bundesliga katapultiert hatte. Dort hatte sie den Aufstieg gefeiert, das Pokalfinale 2023 erreicht, sich als kantige, zweikampfstarke Sechserin profiliert. Doch nach fünf Jahren war der Wunsch nach neuem Wind stärker.

Köpenick als magnet

Köpenick als magnet

„Ich wollte raus aus der Komfortzone“, sagt Hipp. Union lockte mit einer Infrastruktur, die längst nicht mehr nur Männerdomäne ist. „Von der Trainingsstätte bis zur Medienarbeit – alles auf höchstem Niveau.“ Und dann ist da noch dieses Ding mit dem Publikum. „Jede zweite Woche stehst du vor einer Kulisse, die dir Gänsehaut verschafft. Das ist kein Klischee, das ist Alltag.“

Die Fans erkennen sie auf der Straße, fragen nach Autogrammen, schreien ihren Namen, wenn sie mit dem E-Scooter zur Anlage düst. „In Köpenick atme ich Fußball“, sagt sie. „Das ist kein Marketing-Satz, das ist Realität.“

Von potsdam über massachusetts zurück nach berlin

Von potsdam über massachusetts zurück nach berlin

Doch bevor es nach Berlin ging, hatte Hipp schon einmal einen Zwischenstopp in der Hauptregion. 2014/15 schnupperte sie als 16-Jährige bei Turbine Potsdam Profifußball, trainierte mit Tabea Kemme, sah Jennifer Zietz – heute ihre Sportliche Leiterin in Köpenick – als Vorbild. „Damals war alles noch kleiner, improvisierter. Heute bin ich die, die junge Spieler anstoßt. Der Kreis schließt sich.“

Fußball ist für Hipp Familiensache. Sie wuchs mit elf Geschwisten auf, ein Haufen, der auf dem Hof schon mal ein 4-4-2 spielte. „Meine Geschwister sind meine erste Mannschaft“, sagt sie. „Und Union ist meine zweite Familie.“

Am Samstag wird sie in Leipzig auflaufen, die Nummer 8 auf dem Rücken, die Augen auf den Ball. Kein Platz für Sentimentalitäten. „Ich will Minuten, ich will Siege, ich will Köpenick weiter nach oben bringen.“

Und danach? Dann fährt sie mit dem Zug zurück nach Berlin, in die Stadt, die für sie längst nicht mehr nur Hauptstadt ist. Sondern Heimat.