Janse van rensburg/steffan tanzen ins wm-finale – 71 punkte, null fehler, eine saison im koma
Prag – 71,02 Punkte, kein Sturz, kein Wackler, nur das laute Atmen der Halle. Jennifer Janse van Rensburg und Benjamin Steffan haben den Rhythmustanz der Eistanz-WM in Prag gerettet, als hätten sie die letzten Monate in einem Schrank verbracht. Fünfmal deutsche Meister, einmal krankgeschrieben, einmal Mailand-Letzte – und jetzt stehen sie wieder im Finale, Platz 17, Samstagabend, 20 Paare, keine Medaille in Reichweite. Aber sie leben.
Der befreiungsschlag auf 700 quadratmetern eis
Steffan atmete nach dem letzten Twizzle wie ein Mann, der gerade einen Lastwagen vom Brustkorb gestemmt hat. „Es war eine Saison mit Höhen, aber leider auch mit Tiefen“, sagte er. Das klingt nach PR-Sprech, ist aber die nüchterne Kurzfassung eines Jahres, in dem die Oberstdorfer nach der nationalen Silbermedaille im Januar die EM absagten – Grippe, Fieber, Null-Bock-Körper. Die WM war ihre erste Startgenehmigung nach Mailand 2026, wo sie Letzter wurden und sich fragten, ob Eistanz noch ihr Sport sei.
Die Antwort dauerte 2:49 Minuten. Janse van Rensburg trug ein türkis-schwarzes Kleid, das aussah, als hätte jemand Northern Lights in Seide geschnitten. Steffans Hemd glühte weiß wie ein Operationssaal. Sie gaben sich 35 Gerade, 37 Kurven, ein Kilometer Kreide auf Kufen. Die Richter spiegelten sich in der Eisfläche, während sie die Tango-Sequenz so scharf rissen, dass selbst das französische Topduo Fournier Beaudry/Cizeron (92,74 Punkte) kurz den Kopf hob. Die 71,02 bedeuten: Finale, nichts weiter. Aber sie bedeuten auch: Wir sind noch da.

Gold liegt in frankreich, die zukunft in deutschland
Die französischen Olympiasieger haben die WM bereits halb gewonnen; sie tanzen wie Software, die sich selbst schreibt. Für Janse van Rensburg/Steffan geht es Samstag um den Sprung von Platz 17 auf vielleicht 14, ums Preisgeld, um Weltranglistenpunkte, um die Frage, ob die DEU sie für die nächste Saison noch als Spitzenteam führt. Die Eisrevue läuft ohne sie, das weiß das Duo. Trotzdem stehen sie um 19.46 Uhr wieder an der Bande, Makeup frisch, Muskeln warm, Herzschlag 160. Weil sie können. Weil sie müssen. Weil Sport manchmal nur heißt: sich selbst zu beweisen, dass man noch atmen kann, bevor die Musik ausklingt.
