Jannik sinner trainiert mit diabetes-pflaster – und liefert daten, die ihn schneller machen
Während die meisten Profis nur Schläger und Bälle schwingen, klebt bei Jannik Sinner seit dem Comeback-Training ein silbernes Coin-Format am linken Oberarm. Kein Mode-Accessoire, sondern ein CGM – Continuous Glucose Monitor. Das Gerät, entwickelt für Diabetiker, misst jede Minute den Blutzuckerspiegel und schickt die Werte an sein Smartphone.
Was steckt hinter dem mini-scanner?
Professor Gianluca Aimaretti, Leiter der Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen an der Universitätsklinik Turin, erklärt im Gespräch mit Gazzetta Active: „Sportler nutzen das CGM, um zu sehen, wie sich ihre Glukosekurve während Belastung verändert. So spüren sie, welche Mahlzeiten sie stabil halten und wann ein Energie-Crash droht.“
Die Technik ist simpel: Eine dünne Nadel platziert eine Sensor-Folie im Unterhautfettgewebe, dort misst sie die Glukose im interstitiellen Flüssigkeitsraum. Die Daten wandern per Bluetooth in Echtzeit an eine App. Für Sinner heißt das: Er kann exakt nachvollziehen, wie ein Protein-Carb-Shake vor dem Training seine Ausdauer beeinflusst.

Warum ein gesunder athlet das braucht
Die Antwort liegt in der Mikro-Optimierung. Ein Tennis-Match kann über drei Stunden dauern, in denen sich der Blutzuckerspiegel wie auf einer Achterbahn bewegt. Sinkt die Kurve zu stark, versiegt die Kraft in den Beinen; steigt sie zu hoch, folgt ein Rebound-Hypoglykämie-Risiko. Mit dem CGM kann Sinner beide Extreme verhindern.
Professor Aimaretti nennt ein weiteres Beispiel: „Wir beobachten Leistungssportler, die nach intensiven Belastungen trotz kohlenhydratreicher Ernährung eine relative Hypoglykämie entwickeln. Das CGM warnt frühzeitig und erlaubt punktgenaue Nachjustierungen.“
Der italienische Endokrinologe betont jedoch, dass das Gerät kein Ersatz für medizinische Behandlung darstellt. „Es ist ein Werkzeug, das Daten liefert – der Sportler muss sie richtig interpretieren, teils zusammen mit Ernährungsberatern und Ärzten.“

Nächster schritt: personalisierte wettkampfstrategien
Vereinzelte Fälle gab es schon: Der Radprofi Mathieu van der Poel trug 2022 während des Giro d’Italia ein CGM, um seinen Zuckerkonsum auf der Strecke zu feilen. Sinner geht einen Schritt weiter. Laut italienischen Medien will sein Team die Daten mit Laktat- und Herzfrequenz-Kurven synchronisieren und daraus individualisierte Ernährungspläne für Grand-Slam-Turniere entwickeln.
Die Ausrüstung kostet rund 300 Euro pro Monat – für einen Top-Tennisprofi eine Peanuts-Investition, wenn dadurch die letzten drei Prozent Leistung herausholbar sind.
Der Wettkampf beginnt längst vor dem ersten Aufschlag. Sinner weiß: Wer seine Glukosekurve kennt, kann die Mitte des Fünften Satzes noch einen Gang zulegen – während der Gegner auf Reserven zugreift, die längst aufgebraucht sind.
