Jakovljevic' euroleague-debüt wird zur debakel-nacht im paladozza
Die Ballons sind geplatzt, bevor sie richtig aufgeblasen waren. Nenad Jakovljevic, seit fünf Tagen Coach der Segafredo Virtus Bologna, erlebte am Mittwochabend keine Premiere, sondern eine Exekution: 82:103 gegen Paris, die fünfte Niederlage in Serie, das achte Debakel in den letzten zehn Spielen – und die Gewissheit, dass selbst die Play-In-Träume kollabiert sind.
Der 27-jährige neben der bande lacht, der serbe daneben schweigt
Julius Thomas, ein Vierteljahrhundert jung und seit Wochenfrist Chef von Paris, schwingt die Faust. Jakovljevic starrt ins Leere. Seine Mannschaft wirft 19 Dreier, trifft nur fünf. Paris versenkt 19, 45 Prozent Trefferquote – ein Bombenregen, der das Paladozza in einen Konzertsaal verwandelt, in dem nur noch die Gäste trommeln. „Wir haben die Schneise geschlagen, sie haben die Kirche abgebrannt“, sagt ein Zuschauer beim Verlassen der Halle. Er trifft den Nagel auf den Kopf.
Die Zahlen sind gnadenlos. Ismael Kamagate dominiert die Zone mit 20 Punkten und 8 Rebounds. Tremont Waters zersticht die Zone mit 11 Assists. Und Retin Obasohan trifft aus neun Metern, als stünde er allein auf dem Parkett. Bologna? Amar Alibegovic und Jordan Mickey kommen auf 16 Zähler, aber ihre Würfe fallen erst, als das Spiel längst entschieden ist. Die Statistik lügt nicht: 18 Ballverluste, 19 Fouls, ein Plus/Minus von minus 21 in 21 Minuten für den sonst so zuverlässigen Miloš Teodosić.

Die 19 dreier von paris sind kein zufall – sie sind ein plan
Thomas’ System basiert auf Speed und Spacing. Nach jedem Rebound sprinten drei Spieler in die Ecken, ein Big rollt zur Freiwurflinie. Die Virtus-Defense reagiert einen Tick zu spät, und schon fliegt der Ball nach oben. Paris warf allein im zweiten Viertel sieben Dreier, während Bologna noch das Pick-and-Roll studierte. Jakovljevic versuchte Zone, Man-to-Man, sogar eine Box-and-One gegen Kamagate – nichts fruchtete. „Wir haben die Linien nicht zugestellt“, sagt er nach Spielschluss, seine Stimme klingt wie ein Reifen mit Nagel.
Das Publikum verliert die Geduld. Zwischen dem dritten und vierten Viertel verlassen Hunderte die Ränge, als Jordan Mickey mit einem Fadeaway das 61:76 besiegelt. Die verbliebenen Fans pfeifen, ein Mann in der Curva Sud wirft sein Schal auf das Parkett – symbolischer Protest gegen ein Management, das Ivanovic feuerte, ohne eine echte Alternative zu haben.

Die saison ist vorbei, die frage bleibt: wer rettet das gesicht?
Der Spielplan zeigt keine Gnade: Nächste Woche Barcelona, dann Tel Aviv. Beide Teams kämpfen noch um Platz vier. Bologna dagegen kämpft um die eigene Seele. Sportdirektor Alessandro Dalla Salda muss bis Freitag eine Antwort liefern: Vertrauen in Jakovljevic, dessen Vertrag nur bis Juni läuft, oder doch noch einmal wechseln und die Uhr auf „Notlösung“ stellen? Die Kabine schwört auf den Serben, die Zahlen sprechen gegen ihn. Eine Zahl aber spricht lauter als alle anderen: 0,7 – so viele Punkte pro Ballbesitz erzielte Virtus in den letzten fünf Spielen, schlechtester Wert der Liga.
Am Ende stehen die Spieler stumm in der Mitte des Feldes. Keiner schlägt mehr auf den Boden, keiner klatscht in die Hände. Die Lichter gehen aus, die Saison auch. Und irgendwo zwischen den leeren Kaffeepapierbechern und vergessenen Maskottchen bleibt die Erkenntnis: Wer nicht verteidigt, der verliert – und wer nicht trifft, der verschwindet. Bologna tut beides. Die Euroleague geht weiter, ohne sie.
