Italiens letzte europa-chance: drei klubs kämpfen um viertelfinal-tickets
Rund 24 Stunden nach Atalantas blutiger 0:3-Pleite gegen Leverkusen ziehen die nächsten Italiener ihre Koffer. Heute entscheidet sich, ob Rom, Bologna und Fiorentina die Fahne der Serie A im Viertelfinal-Rendezvous der Europäischen Klubwettbewerbe noch hochhalten – oder ob die Bootsfahrten auf dem Brenta bald endgültig ausschließlich für Touristen stattfinden.
Der tag der wahrheit: 90 minuten zwischen applaus und abpfiff
Um 18.45 Uhr beginnt die Jagd. Zuerst tritt Fiorentina beim polnischen Frühstarter Rakow an, mit dem knappen 2:1 aus dem Artemio-Franki im Gepäck. Trainer Vincenzo Italiano warnte gestern noch: „Der Vorteil ist nichts wert, wenn wir den Rasen nicht mit der nötigen Wut betreten.“ Seine Mannschaft muss gewinnen, um nicht in den berüchtigten Elfmeter-Krimi zu rutschen, der in den vergangenen Jahren so manchen italienischen Traum zerriß.
Spätestens um 21 Uhr wird das Stadio Olimpico zur Arena eines innereuropäischen Familienstreits: Roma empfängt Bologna. Das 1:1 im Dall’Ara verspricht eine offene Schießerei. José Mourinho, dessen Job ohne Viertelfinal-Ticket plötzlich wieder heiß diskutiert wird, schickt seine Roma-Truppe mit dem Rücken zur Wand aufs Feld. Thiago Motta seinerseits kann mit einem Auswärtstor den Salto ins Halbfinale perfekt machen – und nebenbei seinem Lehrmeister eine weitere Lektion erteilen.

Die rechnung: zwei teams, ein ziel
Mathematik ist grausam: Selbst wenn beide Serie-A-Vertreter heute gewinnen, bleibt maximal ein halbes Ticket übrig, denn Roma und Bologna treffen aufeinander. Die UEFA-Statistik zeigt, daß italienische Klubs in EL und Conference bisher nur 48 % der Achtelfinal-Hinspiele mit Unentschieden überstanden haben. Die Gewinner von heute schreiben Geschichte – die Verlierer buchen schon mal den Urlaub.
Parallel laufen weitere Partien, doch für uns zählt nur das Kalkül der Viola und der beiden Capitoline. Schaffen sie den Sprung, winken ab April Millionen aus TV-Prämien und der Traum von einem europäischen Titel, der zuletzt 1999 für Italien Realität war. Scheitern sie, dürfte der Ruf nach mehr internationalen Startplätzen für die Serie A noch lauter werden – und die Debatte um die sportliche Zukunft von Mourinho sowie Motta neue Nahrung erhalten.
Es ist der 19. März. Die Uhren laufen. Und wenn spätabends in Rom und Czestochowa die Lichter ausgehen, wissen wir, ob Italiens Europa-Saison endgültig ins Abseits rutscht – oder ob drei Klubs noch einmal das Licht der Bühne suchen.
