Italiens fußball liegt am boden – atalanta kassiert historisches debakel

6:0. Die Zahl steht wie ein Schandmal in den Livetickern Europas. Atalanta, das letzte italienische Team in der Champions League, wurde am Dienstagabend im eigenen Stadion von Bayern München demontiert – und mit ihr die ganze Serie A. Das 0:3 aus dem Hinspiel war nur das Vorspiel. Das 0:6 in Bergamo ist das offizielle Todesurteil für einen Fußballverband, der in zwei Woczen um die WM-Teilnahme zittern muss.

Der italienische klubfußball ist europas kranker mann

Kein italienisches Team steht mehr im Viertelfinale. Napoli, Meister der Vorjahresrunde, landete in der Gruppenphase auf Rang drei – hinter Real Madrid und Union Berlin. Inter, aktuelle Tabellenführer der Serie A, schied gegen den skandinavischen Underdog Bodø/Glimt aus. Und jetzt Atalanta, das Märchen von 2020, mit dem höchsten Heimdebakel eines italienischen Klubs in der Königsklasse seit 1958. Die Summe der Gegentore: 18 in acht Spielen. Die Bilanz der Torschüsse: 47 Prozent weniger als der europäische Durchschnitt. Die Botschaft: Italien liefert keine Konkurrenten mehr, nur noch Statisten.

Was das bedeutet? Die UEFA-Koeffizientenliste reagiert sofort. Für 2025/26 droht der Serie A nur noch ein sicherer Startplatz in der Gruppenphase. Die zweite Mannschaft muss in die Quali, die dritte gar nicht mehr ran. Millioneneinnahmen wegbrechen, TV-Gelder schrumpfen, die Klubschulden wachsen. Ein Teufelskreis, der Italiens Klubfußball in die zweite Reihe drosselt – hinter England, Spanien, Deutschland und bald auch Frankreich.

Nationalteam vor dem abgrund: gattuso bangt mit seiner truppe

Nationalteam vor dem abgrund: gattuso bangt mit seiner truppe

Pikantes Detail: Genau in jenem Stadion, in dem Atalanta zerlegt wurde, empfängt die Nazionale am 15. Oktober Irland du Nord. Ein Sieg ist Pflicht, will Italien die Play-off-Hoffnung am Leben halten. Die Ausfälle von Spinazzola und Barella sind besiegelt, die Formkurve der Stammkrücker zeigt nach unten. Gattuso, der Nachfolger von Mancini, wollte von den Champions-League-Helden eine Zuversichtsspritze. Stattdessen kassierte er ein Lehrstück darüber, wie tief der Talentebrunnen wirklich ist.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit Januar 2023 gewannen italienische Klubs nur 32 Prozent der internationalen Pflichtspiele. Das Torschussverhältnis liegt bei 0,78 – das schlechteste aller Top-5-Ligen. Und die U-21? Schon seit fünf Jahren nicht mehr im Halbfinale einer EM. Wer jetzt noch von „Pech“ oder „kurzen Phasen“ spricht, versteht die Realität nicht. Der Absturz ist strukturell.

Die Konsequenz: Der Verband mürstet ein Rettungspaket schnüren – 450 Millionen Euro für Infrastruktur, Nachwuchs- und Trainingszentren. Doch das Geld kommt erst 2025. Bis dahin könnte Italiens Ranking auf Platz sieben rutschen – hinter Portugal und die Niederlande. Ein Horror-Szenario für ein Land, das vier Weltpokale im Schrank hat und sich selbst immer noch gern „die Fußball-Nation“ nennt.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der 6:0-Klatsche ist kein Ausrutscher, er ist ein Spiegel. Ein Spiegel vor dem Spiel gegen Irland du Nord – und vielleicht der letzte Weckruf, bevor die dite Apokalypse folgt: das Ausscheiden aus dem Weltcup 2026.