Italienischer fußball-chaos: trainerentlassungen und eine nation in schockstarre

Ein Schock geht durch die italienische Fußballszene: Nach der dritten WM-Enttäuschung in Folge – diesmal gegen Bosnien – steht der italienische Fußball vor einer existenziellen Krise. Der Absturz ist so dramatisch, dass er zu einer regelrechten Flucht aus den Verantwortungsbereichen ausgelöst hat.

Der dominoeffekt in der führungsetage

Der dominoeffekt in der führungsetage

Zuerst der Rücktritt von Gabriele Gravina, dem Präsidenten des italienischen Fußballverbands. Doch er ist nicht allein: Auch Gianluigi Buffon, der erfahrene Teammanager der 'Nazionale', hat seinen Rücktritt erklärt. Und schließlich der wohl folgenreichste Schritt: Gennaro Gattuso, der Trainer der 'Azzurra', muss ebenfalls gehen. Ein Vakuum, das nun rasch gefüllt werden muss, und zwar mit einem Interimslösungs.

Als Übergangslösung präsentiert sich Silvio Baldini (geboren 1958). Der bisherige Trainer der U21-Nationalmannschaft übernimmt das Ruder bei den anstehenden Freundschaftspartien gegen Luxemburg (3. Juni) und Griechenland (7. Juni). Baldini kehrte erst im Juli 2023 nach einem dramatischen Penaltyschießen gegen Ternana Pescara zurück in die Serie B – ein Triumph, der ihm jedoch von wütenden Kritikern vermasselt wurde. 'Dank der Klugscheißer, die mich als Versager abgestempelt und meine Fähigkeit in Frage gestellt haben, eine Mannschaft zu führen', wetterte er damals.

Seine Karriere als Spieler war eher unspektakulär, doch Baldini kann auf eine lange und vielseitige Trainerlaufbahn zurückblicken, die 1984 mit Bagnone begann. Seitdem führte er Mannschaften wie Siena, Chievo Verona, Brescia, Empoli, Palermo, Parma, Lecce, Catania, Vicenza, Perugia und Crotone. Der Großteil seiner Erfahrung liegt in der Serie C (363 Spiele) und Serie B (254), doch auch in der Serie A konnte er mit insgesamt 95 Spielen, verteilt auf Empoli, Parma, Lecce und Catania, sein Können unter Beweis stellen. Sein Debüt in der höchsten Spielklasse erfolgte 2002 mit einem 2:0-Sieg von Empoli gegen Como, bei dem Luca Saudati und Antonio di Natale die Tore erzielten. Schiedsrichter an diesem Tag: Pierluigi Collina. Die Zeiten haben sich geändert… Baldini darf nun behaupten, auch die italienische Nationalmannschaft trainiert zu haben.

Die Frage, die sich nun stellt, ist nicht, ob Baldini die Mannschaft vor der nächsten Herausforderung retten kann, sondern ob er überhaupt die Zeit dafür hat. Die Krise im italienischen Fußball ist tiefgreifend, und die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für Gattuso wird sich als schwierige Aufgabe erweisen. Die Fans sind enttäuscht, die Medien sind kritisch, und der Druck auf die Verantwortlichen ist enorm. Italien muss sich dringend neu erfinden, wenn das Land seine frühere Bedeutung im Weltfußball wiederfinden will.