Italiener jubeln in der fremde: calafiori rettet, reggiani trifft – und donnarumma patzt

Ein Kopfball, ein Bein, ein Moment – und plötzlich liegt der Ball im Netz. Riccardo Calafiori war es nicht, der traf, aber er war es, der in der 93. Minute gegen Everton auf der Linie rettete und Arsenal drei Punkte sicherte. Das Bild des Abwehrhelden mit der aufgerissenen Faust ging um die Welt. Ein Italiener, der in London zum Matchwinner wird – das ist die neue Normalität im Auslandsweekend der Azzurri.

Calafioris kratzt an der glanz-grenze

Die Premier League ist kein Kindergarten. Wer hier nicht bereit ist, sich in jedem Zweikampf zu verbeißen, fliegt raus. Calafiori hat das verstanden. Gegen Everton war er überall: Kopfbälle klären, Flanken abfangen, Neymar-Style-Dribblings starten. Die Statistik: 11 Ballgewinne, 9 von 10 Zweikämpfen gewonnen, eine klare Note 1,5 von der französischen Fachzeitung L'Équipe. Der 22-Jährige spielt sich gerade in den Kreis der besten Linksverteidiger Europas – und das, obwohl er vor zwei Jahren noch in Basel als „zu weich“ galt.

Bei Arsenal hat Trainer Mikel Arteta offenbar einen neuen Ashley Cole entdeckt. Die Fans rufen bereits „Rocky“ durch das Emirates – eine Referenz an die legendäre Härte des Clubs in den 90ern. Calafiori lächelt, wenn er das hört. „Ich will keine Ikone sein, ich will Titel gewinnen“, sagte er nach dem Spiel kurz und knapp. Dann verschwand er im Katakombengewirr, Richtung Dopingtest. Die Karriere ist im Turbo-Modus.

Reggiani trifft – und träumt vom champions-league-tor

Reggiani trifft – und träumt vom champions-league-tor

Während Calafiori verteidigt, trifzt Stefano Reggiani. Der 19-jährige Flügelstürmer kam im Winter aus Cremona, nun trug er das gelbe Trikot von Borussia Dortmund – und traf gegen Mainz mit dem ersten Ballkontakt. Ein Linksschuss aus 17 Metern, flach, platziert, keine Chance für den Keeper. Die Süd-Tribüne explodierte. „Ein Tor, das sich anfühlt wie ein Film“, sagte Reggiani im Mixed-Zone-Interview. Die Zahlen: Erster italienischer Teenager, der für Dortmund trifft, seit 1997.

Doch der Jubel hat einen Beigeschmack. Reggiani stand nur 14 Minuten auf dem Platz. Trainer Nuri Şahin will ihn langsam aufbauen, der Körper ist noch nicht auf 90 Minuten Dauerdruck eingestellt. „Ich bin ein Rennpferd, aber ich muss lernen, wann ich sprinte“, sagt Reggiani. Der BVB zahlt 1,2 Millionen Euro Leihgebühr, dazu eine Kaufoption von 8 Millionen. Ein Investment, das sich bereits amortisiert – wenn der Junge gesund bleibt.

Donnarumma patzt – und paris stöhnt

Donnarumma patzt – und paris stöhnt

Die andere Seite der italienischen Medaille trägt das Gesicht von Gianluigi Donnarumma. Der PSG-Keeper ließ einen harmlosen Distanzschuss von Julián Álvarez durch die Hände gleiten, Manchester City gewann 2:1. Die französische Presse spricht von „un erreur italienne“ – eine italienische Panne. Die Statistik: Erstes Gegentor nach 312 Minuten ohne Gegentreffer, dritter Patzer in dieser Saison, der direkt zu einem Gegentor führte.

Donnarumma reagierte mit der Miene eines Mannes, der weiß, dass Kameras jede Sekunde einfangen. „Ich bin menschlich, ich nehme die Kritik an“, sagte er. Doch in Paris wird bereits diskutiert, ob der 27-Jährige die Nerven für die K.o.-Phase der Champions League hat. Die nächste Woche entscheidet: PSG spielt gegen den FC Barcelona. Ein weiterer Fehler, und die QSI-Bosse könnten ihren Millionen-Goalie auf die Bank setzen. Die Karriere des einstigen Wunderkindes steht am Scheideweg.

Chiesa und lucca – zwischen bank und tribüne

Chiesa und lucca – zwischen bank und tribüne

Für Federico Chiesa war es der dritten Einsatz in Folge unter zehn Minuten. Jürgen Slot bringt den 26-Jährigen nur noch als Notnagel. Die Statistik: 27 Minuten Spielzeit in den letzten fünf Partien. Chiesa lächelt nicht mehr, wenn er einläuft. Sein Berater plant bereits Gespräche mit Juventus über ein Sommer-Comeback. Die Ablöse: 15 Millionen Euro. Liverpool zahlt nicht gern für Spieler, die sitzen.

Lorenzo Lucca wartet noch auf sein Debüt für Nottingham Forest. Der 2,01-Meter-Stürmer saß gegen Brighton nicht einmal auf der Bank. Trainer Nuno Espírito Santo bevorzugt Chris Wood – und das, obwohl Lucca in der U23 bereits 11 Tore in 9 Spielen erzielt hat. Die Gerüchte: Ein Leihwechsel zu Parma im Sommer. Die Karriere des 23-Jährigen droht zu stagnieren, bevor sie richtig begann.

Die bilanz: licht und schatten im auslandsweekend

Am Ende steht eine einfache Rechnung: Drei Italiener trafen oder retteten, zwei patzten oder saßen nur. Die neue Generation um Calafiori und Reggiani liefert Glanzmomente, die alte Garde um Donnarumma und Chiesa kämpft mit dem eigenen Anspruch. Die Zahlen: 12 Italiener in den Top-5-Ligen, nur vier davon standen am Wochenende in der Startelf. Das ist kein Exodus mehr, das ist ein selektiver Exodus der Besten – und der Rest muss kämpfen.

Die nächsten Wochen entscheiden, wer im Mai noch dabei ist. Calafiori will die Premier League gewinnen, Reggiani träumt vom Champions-League-Finale, Donnarumma muss beweisen, dass er nicht der neue Buffon-Patzer wird. Die italienische Fahne weht in der Fremde – mal als Triumph, mal als Warnung. Der Sport ist kein Märchen, er ist ein Spiegel. Und der zeigt gerade: Wer nicht liefert, fliegt raus. Punkt.