Italia zerquetscht nordirland und wartet auf wales-bosnia-sieger
Kein Gegentor seit 660 Minuten, kein Platzverlust in der Quali seit 2006 – und jetzt dies: 4:0 in Bergamo, Tränen für Beppe Savoldi und der Blick Richtung Cardiff oder Sarajevo.
Gattuso setzt retegui-tonali-doppelpack auf
Ein einziges Mal hatte Nordirland die italienische Abwehr in 64 Jahren geknackt, 1958 in Belfast. Seitdem folgten sieben Shutouts in Serie. Gio Retegui und Sandro Tonali machten die Serie am frühen Abend im Gewandhaus von Atalanta perfekt: der Stürmer per Kopf nach Politano-Flanke (12.), der Mittelfeldspieler per Dropkick aus 22 Metern (38.). Kean erledigte den Rest mit zwei Kontern (66., 81.).
Die Azzurri hatten nach der Blamage gegen Norwegen (1:4) die Koffer voller Zorn dabei. Gattuso stellte um von 4-3-3 auf 3-5-2, schob Calafiori links neben Bastoni und forderte „aggressione immediata“. Was folgte, war ein Pressing, das Nordirland in der eigenen Hälfte einmauerte. Die 71-Prozent-Passquote der Gäste schrumpfte auf 58 – ein Wert, der die Statistik lügen lässt, weil fast jeder Ball nach hinten ging.

Makkelie pfeift, savoldi lebt im applaus
Vor Anpfiff herrschte eine Minute Stille für Beppe Savoldi, den Neapolitaner, der 1976 mit 36 Treffern Torschützenkönig wurde. Die Kurve skandierte „Grazie Beppe“, und selbst O’Neill zog die Kappe. Dann nahm Danny Makkelie, der niederländische Schiedsrichter, die Partie in die Hand – und ließ laufen, wo andere pfeifen. Zweimal ließ er Spielen weiter, obwohl Nordirlands McNair im Strafraum zu Boden ging. VAR Van Boekel bestätigte jeweils: kein Elfmeter, sauberes Tackling.
Italia bleibt damit in Heim-WM-Qualis auf 51 Siege, 11 Remis und nur zwei Niederlagen. Die zweite Pleite gegen Norwegen ist abgehakt, die Reaktion gelungen. Wer am Dienstag im Finale steht, entscheidet sich morgen in Cardiff: Wales oder Bosnien. Für die Azzurri zählt nur eins – der Weg nach Nordamerika ist noch lang, aber heute haben sie wieder Schrittgeschwindheit.
