Clemente schreibt nach sturm-debüt-karriere – und will garcía festnageln

Enrique Clemente war vor zwölf Monaten noch Name auf der Abschussliste. Heute ist der 25-jährige Stopper die erste Skizze jeder Aufstellungskarte von UD Las Palmas. Drei Sätze genügen, um die Wende zu erklären: „Luis García hat mir in der Vorbereitung einfach gesagt: ‚Du bist mein Abwehrchef.‘ Seitdem bin ich ein anderer Mensch.“

Vertrauen statt warteschleife: so entzaubert man die bank

Clemente spricht in der Pressezone des Estadio Gran Canaria mit einer Heiserkeit, die von 2.700 Minuten Saisonleistung zeugt. Die Stimme klingt, als hätte er jeden Meter auf dem Rasen mitgeschrien. „Ich hatte vorher nie diese Kontinuität. Plötzlich darf ich jeden Samstag beweisen, dass ich nicht nur ein Notnagel bin.“ Die Zahlen sprechen für sich: 35 Liga-Einsätze, 84 % gewonnene Zweikämpfe, sieben Vorlagen. Von der Reservistenrolle in Zaragossa bis zur Stammkraft im Kanaren-Sturm – ein Lebenslauf in Schnelldurchlauf.

Die Verlängerung bis 2025 unterschrieb er, ohne zu zögern. Warum? „Weil García mich vor dem Frühjahrs-Trainingslager in die Kabine rief und meinte: ‚Ich baue die Abwehr um dich herum auf. Bring Kopfhörer mit, du wirst viele Videos schneien.‘“ Der Coach forderte ihn heraus, einen halben Meter mehr Raum zu decken, Bälle früher zu stellen, mit dem linken Fuß aufzulegen. Clemente lacht: „Ich dachte, der verlangt ein Wunder. Am Ende war es nur harte Arbeit – und ein bisschen Selbstglaube.“

Ipurua-alptraum und die jagd auf direkte aufstiegsplätze

Ipurua-alptraum und die jagd auf direkte aufstiegsplätze

Die nächste Prüfung folgt am Sonntag in Eibar. Das Stadion an der Calle de Ipurua gilt als Hexenkessel light: eng, laut, ein Rasen wie ein Teppich, der sich unter den Füßen zusammenzieht. „Da passieren Dinge, die man vorher nicht auf dem Zettel hat“, sagt Clemente und deutet auf die Anzeigentafel, die letzte Woche gegen Sporting Gijón endlich wieder Sieg zeigte. „Der Dreier hat uns Luft für die Reifeprüfung verschafft. Aber wer denkt, in Eibar würde sich von selbst ein Faden reißen, wird leicht alt aussehen.“

Die Tabelle lügt nicht: Las Palmas liegt zwei Punkte hinter Levante, drei vor Alavés. Clemente baut sich auf, als hätte er die Play-offs schon im Nacken. „Wir fahren nicht zum Punktgewinn, wir fahren, um zu zeigen, dass wir direkt rauf wollen. Punkt.“

Und der Coach? Die Frage nach Luis Garcías Zukunft kreist seit Wochen durch den Klub. Clemente antwortet, bevor sie ihn fertig formulieren. „Wenn ihr mich fragt: Er soll bleiben, mindestens so lange wie mein Vertrag. Der Mann hat mir den Glauben an mich selbst zurückgegeben. Mehr kann ein Spieler nicht verlangen.“

Am Ende bleibt ein Satz hängen, halb Flüsterton, halb Schwur: „Ojalá, sagen wir in Spanien. Aber hier heißt es: Wir machen den Aufstieg selbst, Spiel für Spiel. Und ich spiele jeden einzelnen, als wäre es mein erstes Profi-Spiel – dank García, der mich aus der Bedeutungslosigkeit gezogen hat.“