Iserlohn bricht den teufelskreis: nyman bleibt, roosters wagen kontinuitätswette

Die Iserlohn Roosters schlagen dem Chaos eine Treppe an Stabilität entgegen: Nach acht Jahren wilder Trainer-Rotation verpflichtet sich das komplette Coaching-Team um Stefan Nyman für eine zweite Saison – eine Personalie, die im Sauerland beinahe wie ein Kulturschock wirkt.

Ende der revolte: nyman soll kontinuität zementieren

Die Zahlen sind brutaler als jede Schlagzeile: Seit 2017 wechselten acht verschiedene Cheftrainer durch die HEG-Arena, durchschnittlich hält ein Coach gerade einmal 44 Ligaspiele durch. Nun stoppt Sportdirektor Franz-David Fritzmeier den Selbstzerstörungsmechanismus. „Wir haben gesehen, dass sich ein Team nicht über Nacht umbauen lässt“, sagt er mit rauer Stimme. Die Devise lautet: lieben oder sterben mit dem Schweden, der den Zwölftplatzierten nach der Winterpause auf Playoff-Niveau trimmte.

Nyman selbst klingt wie ein Mann, der endlich Planungssicherheit schmeckt. „Die zweite Halbserie war unser Probedruck für 2026/27. Die Jungs haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, Tempo und Körpersprache einer Spitzenmannschaft zu leben“, sagt der 51-Jährige. Der Klub verzichtet damit auf die vermeintlich einfache Lösung, die Fehlstart-Flut erneut mit einem Blitz-Abgang zu kompensieren. Stattdessen setzt man auf eine Selbsttherapie, die in der DEL so selten ist wie ein Shutout ohne Powerplay-Gegentor.

Rosters zahlen lehrgeld – und verlangen geduld

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Die Konsequenz: kein neues Gesicht, kein neues System, keine neue Druckwelle. Die Spieler bekommen ein Sommer-Programm, das auf Details statt Grundrisswechsel setzt: Face-off-Patterns, Vorcheck-Varianten, ein modulierter Box-Play. Fritzmeier nennt es „Feinarbeit statt Großbaustelle“. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass sich Talente wie Justin Schütz oder Collin Shirley erst in der zweiten Saisonhälfte an Nymans Vorstellung von Transition-Eishockey gewöhnten – ein Prozess, der bei erneutem Trainerwechsel wieder auf Null gestellt würde.

Die Fans reagieren zwiegespalten. Die einen feiern das Ende der Querelen, die anderen erinnern an acht Jahre Playoff-Abstinenz und fordern statt Kontinuität endlich den Durchbruch. Die Antwort kommt aus dem Büro des Sportdirektors: „Kontinuität ist kein Selbstzweck, sie ist der einzige Weg, um wieder in die Top-Ten zurückzukehren.“ Die Messlatte liegt klar bei Platz zehn – alles darunter würde auch diese Personalentscheidung in die nächste Krise treiben.

Am 1. Juli startet das neue Kapitel. Dann darf Nyman erstmals seit seinem Amtsantritt mit einer vollständigen Vorbereitung planen, ohne Transfer-Lock-Brettspiele und ohne Corona-Zwangspausen. Ob die Wette auf Beharrung aufgeht, entscheidet sich zwischen September und Februar. Eine Konstante gibt es schon jetzt: Zum ersten Mal seit acht Jahren wissen Spieler, Fans und Sponsoren, wer ihnen die Taktik ans Board schreibt – und das ist in der DEL schon fast eine Sensation.