Isaac del toro packt auf der letzten rampe camerinos und zieht an pellizzari davon

42 Sekunden. So viel Luft hatte Giulio Pellizzari noch nie zuvor gegen seinen mexikanischen Nemesis Isaac Del Toro. Und dann kam die Steigung in Camerino, 700 Meter mit 11 %, ein Bogen, der die 61. Tirreno-Adriatico endgültig aufrollte.

Del Toro, 22, in der Tricolore des Campiones nazional, schaltete 250 Meter vor dem Ziel um zwei Gänge höher. Jorgenson, der US-Draufgänger, versuchte es noch mit links, Pellizzari zweimal mit rechts – doch der Rennseelige aus Guadalajara spurtete mit dem Gleichmut eines Mannes, der weiß, dass er morgen in San Benedetto nur noch die Parade abnehmen muss.

Pellizzari zieht den kopf ein – und behält die favoritenrolle fürs giro

Der 20-jährige Bergamoer verlor am Ende fünf Sekunden, behielt aber die rosa Träume. „Ich habe zwei Mal angezogen, weil ich wollte, dass er antwortet“, sagte er nach der Etappe, „aber er hatte noch eine Extragang.“ Die Zahlen: 3,8 Sekunden Rückstand auf der Linie, 42 auf der Gesamtwertung. Das klingt nach viel, ist aber weniger als ein durchschnittlicher Zeitverlust auf einer Giro-Etappe mit Schlusserlauf.

Die Gewinner der 183 km von Castelletto di Brenzone nach Camerino: Del Toro, klar. Aber auch Valgren, der Däne, der 80 Kilometer durch die Marken flog und nur 500 Meter vor dem Ziel eingeholt wurde – ein Lehrstück darüber, dass Selbstverleugnung ohne finale Beine nur ein nettes Kapitel in der Geschichtsschreibung bleibt.

Morgen rollt das meer – und vielleicht das letzte bündnis

Morgen rollt das meer – und vielleicht das letzte bündnis

San Benedetto del Tronto, 159 km, Flach, Side-Wind-Sektionen bei Porto San Giorgio, dann die 1,5 km lange Promenade. Wer hier nicht sprintet, hat nicht mehr zu sagen. Pellizzari wird hinter seinem Lead-out-Express sitzen, Del Toro wird nur noch die Lufthülse seines Sportsdirektors sehen. Die Frage: Reicht ein Zwischensprint, um 42 Sekunden zu zerfetzen? Die Antwort liegt im Wind, der um 14:30 Uhr aufs Adriatische trifft.

Die Tirreno ist damit keine Vorspeise mehr, sondern ein Menü à la carte: Ein Mexikaner, der italienisch spricht, ein Italiener, der mexikanisch angreift, und ein Amerikaner, der beide mit der Coolness eines Surflehrers beobachtet. Wer morgen die Nase vorn hat, darf sich im April auf die Küstenstraße nach Torino freuen – und wer hinten ist, muss erklären, warum 42 Sekunden im März plötzlich wie zwei Minuten klingen.