Carro wirft den haken aus: brandt-rückkehr zu leverkusen plötzlich heiß
Julian Brandt wird den BVB verlassen, das steht fest. Doch wohin? Fernando Carro schickt Bayer 04 auf die Piste – und macht damit die Rückkehr des Mittelfeldregisseurs zur Werkself zur Prime-Time-Debatte der Liga.
Carro legt den ball flach, rolfes muss schießen
„Ich finde Julian Brandt sensationell“, sagt der Leverkusener Geschäftsführer beim Streaming-Interview mit DAZN knapp vor dem Topspiel gegen Bayern. Kein Zufall, dass Carro den Satz genau jetzt fallen lässt. Der 61-Jährige weiß: Brandts Berater hört mit, die Dortmunder Fans sowieso, und vor allem Simon Rolfes, der Sportchef, dem er frei Haus die Rückendeckung gibt. „Wenn Simon den will, werde ich ihn auf jeden Fall unterstützen.“ Die Botschaft ist klar – Geld spielt keine Rolle, die Entscheidung liegt im Sportbüro.
Brandt selbst schaut gelassen. 2019 wechselte er für 25 Millionen Euro von der BayArena in den Westfalenpark, lieferte Tore, Vorlagen, aber nie die Konstanz, die man sich erhofft hatte. Jetzt, nach sieben Jahren, ist der Vertrag geplatzt. Statt Verlängerung gibt es den freien Abflug. Die Premier League war bislang Favorit, Aston Villa, Manchester United, Arsenal haben Fühler ausgestreckt. Doch Carros öffentliche Liebeserklärung verleiht der alten Heimat plotzlich Trittbrettfahrer-Status.

Leverkusen sucht den brandt von einst
Bei Bayer könnte Brandt sofort wieder in die Automatismen einsteigen. Xabi Alonso schätzt variable Achter, die zwischen den Linien auftauchen und den Ball kitzeln. Brandt beherrscht genau dieses Spiel, nur die Zahlen vermissen: fünf Liga-Tore, vier Vorlagen in dieser Saison – für einen Offensivspieler, der sich mit 28 Jahren auf der Gehaltsliste der Bundesliga-Spitze bewegt, keine Meisterkarte.
Die Kasse klingelt trotzdem. Wer Brandt ablösefrei verpflichtet, spart sich die 30-Millionen-Transfer für Florian Wirtz-Nachfolger. Leverkusen könnte Brandt neben Wirtz aufziehen, sich mit doppeltem Ballast an der Sechserkante wappnen und nebenbei den Marketingfaktor bedienen: ein echter Werkself-Junges zurück ins Revier – das verkauft sich besser als jedes Sommertheater.
Für Dortmund bleibt die Frage, wie man die Lücke stopft. Die Scout-Liste führt ein anderer Deutsch-Engländer: Phil Foden aus Manchester City. Realistisch ist das nicht, aber man muss sich nach außen profilieren. Die Fans sollen wissen: Wir trauen uns was. Intern heißt es, man wolle „kreativ und mutig“ agieren. Brandt hingegen gilt als abgehakt. Die Trennung ist beschlossene Sache, die Gesichter im Klub lang verfinstert.

Brandt muss sich entscheiden: prestige oder projekt
Die Uhr tickt. Wenige Monate bleiben, um den nächsten Karriereschritt zu zimmern. Ein Wechsel nach England bietet Gehaltsspritzen, internationale Bühnen, aber auch Risiko: neue Liga, neues System, kein Freifahrtschein. Leverkusen dagegen bietet Heimat, Stammplatzgarantie und die Chance, mit der Meistermannschaft erneut anzugreifen. Brandt kennt die Abläufe, die Fitnessanlagen, die Medientage – und er kennt Carro, der ihm nun die Hand reicht.
Am Ende zählt eine Frage: Will Brandt der Mann sein, der den Meister-Triumph der Werkself konsolidiert? Oder zieht es ihn doch in die Ferne, wo die Euro-Scheine höher liegen, aber die Verbindung zu den eigenen Wurzeln abbröckelt? Carro hat den Haken ausgeworfen. Jetzt muss Brandt beißen – oder weiterschwimmen.
