Irland zittert sich zum sieg: 27-17 gegen wales im six nations

Dublin hat gezittert. Irland hat gewonnen. Aber von einem Pflichtsieg gegen Wales kann nach diesem Abend keine Rede sein. 27-17 lautet das Endergebnis nach 80 nervenaufreibenden Minuten im Aviva Stadium – ein Resultat, das auf dem Papier klarer aussieht, als es auf dem Rasen war.

Irland kämpft sich auf platz zwei der tabelle

Mit 14 Punkten schiebt sich Andy Farrells Mannschaft auf den zweiten Tabellenplatz und liegt damit nur einen Zähler hinter Spitzenreiter Frankreich. Die Franzosen müssen morgen nach Murrayfield, wo Schottland mit 11 Punkten auf sie wartet – ein Duell, das den Titelkampf neu ordnen könnte. Italien und England hängen bei je 5 Punkten fest und spielen morgen im Olimpico gegeneinander. Wales schließt die Tabelle mit mageren 1 Punkt ab.

Stockdale eröffnet, carre stielt die show der ersten hälfte

Stockdale eröffnet, carre stielt die show der ersten hälfte

Nur 6 Minuten brauchte Irland, um die Partie zu eröffnen. Jakob Stockdale empfing einen kurzen Pass von Stuart McCloskey auf den 5-Meter-Linie, fand den richtigen Winkel, umging Dan Edwards und legte in der Mitte ab. Sauber, effizient, irisch.

Dann übernahm Wales das Kommando. Lange Phasen mit dem Ball, enormer Druck – aber kein Versuch. Stattdessen war es Jack Crowley beim 37. Spielminute, der die Lücke fand: ein gefälschter Pass an den Flügel, ein Körpertäuschung, und er tauchte zwischen zwei Verteidigern durch. Crowley verwandelte den ersten Versuch, vergab aber die Umwandlung des zweiten.

Was dann kurz vor der Pause passierte, war schlicht das Spektakulärste des gesamten Turniers bis dato. Prop Rhys Carre – ja, ein Stürmer – fing den Ball auf dem linken Flügel, täuschte einen Pass an, schob Robert Baloucoune mit einer Hand weg und sprintete 30 Meter unaufhaltsam zur Linie. Edwards verwandelte zum 12-10-Halbzeitstand. Ein Prop. Dreißig Meter. Unglaublich.

Zweite hälfte: conan trifft trotz zweifeln, osborne macht den sack zu

Zweite hälfte: conan trifft trotz zweifeln, osborne macht den sack zu

Die zweite Hälfte begann wie eine Kopie der ersten. Irland drückte, Wales litt. Jack Conan drückte den Ball nach kurzem Anlauf über die Linie – obwohl die Szene Fragen aufwarf: Der Ball schien ihm vor dem Aufsetzen zu entgleiten. Der Schiedsrichter konsultierte den TMO. Der Versuch wurde gegeben. Die Zweifel blieben.

Wales antwortete. James Botham fand beim 63. Spielminute eine Lücke im grünen Abwehrwall, Edwards verwandelte – plötzlich stand es wieder auf Messers Schneide. Nur 2 Punkte Rückstand für die Waliser.

Fünf Minuten später war die Partie entschieden. Gibson-Park wurde knapp vor der Fahne gestoppt, aber der Ball blieb lebendig. Schöne Hände von Crowley und Stockdale, und Jamie Osborne legte den Bonusversuch ab. Dazu gab es noch eine Gelbe Karte für Walisens Halbspieler Tomos Williams – und das Debüt des 21-jährigen Louie Hennessey, der für Elliott Mee eingewechselt wurde.

Crowley vergab die leichte Umwandlung auf spektakuläre Weise. Egal: Sein Strafstoß in der 77. Minutebesiegelte den Sieg endgültig.

Was dieser abend wirklich bedeutet

Was dieser abend wirklich bedeutet

Irland steht im Rennen. Aber dieser Auftritt war eine Warnung. Wer beim Titelkampf mithalten will, muss gegen Wales nicht 60 Minuten lang zittern. Frankreich wird das gesehen haben. Schottland auch. Der Titelkampf läuft – und er ist noch längst nicht entschieden.