Iran zieht wm-rückzug in betracht – trump-krieg trifft fifa

Die Drohung kam ohne Vorwarnung. Mehdi Taj, Präsident des iranischen Fußballverbandes, ließ am Sonntagabend im staatlichen Fernsehen die Bombe platzen: Ein Rückzug Irans aus der WM 2026 ist denkbar. Begründung: Die USA haben den Krieg eröffnet – und genau dort soll Teherans Nationalteam diesen Sommer drei Vorrundenspiele bestreiten.

Der schachzug des taj: druck auf infantino und trump

Taj sprach von den „Angriffen der USA“ und meinte damit die Luftschläge, die seit Samstag iranische Atomanlagen und Militärstützpunkte treffen. Für ihn ist damit „die Teilnahme an einem Turnier in den Vereinigten Staaten nicht länger selbstverständlich“. Die Entscheidung delegierte er geschickt an „die Führer des Sports“ – also an FIFA-Boss Gianni Infantino, der sich mit Donald Trump gerade zur „MAGA-WM“ verbündet hat.

Die FIFA schweigt. Associated Press und BBC erhalten auf Anfragen keine Antwort. Dabei tickt die Uhr: In 105 Tagen eröffnet das Turnier in Los Angeles, Irans Gruppe G ist komplett auf US-Bodenviertel terminiert – 15. Juni gegen Neuseeland, 21. Juni gegen Belgien, 26. Juni gegen Ägypten.

Was passiert, falls iran tatsächlich absagt?

Was passiert, falls iran tatsächlich absagt?

Die FIFA-Statuten kennen nur einen Automatismus: Bei Rückzug innerhalb von 30 Tagen vor Turnierbeginn droht Ausschluss aus der Qualifikation für 2030 sowie eine Strafe von mindestens zehn Millionen Dollar. Ersatz-Kandidaten stehen parat: Der Irak, der Ende März im asiatischen Playoff auf Kuwait trifft, und die Vereinigten Arabischen Emirate haben bereits Signal gegeben. Doch selbst ein schneller Nachrücker würde Logistik-Havarie bedeuten – Tickets, Flugpläne, Sicherheitszertifikate, Fanreisende.

Die brisante Zusatzfrage: Wer darf überhaupt einreisen? Trumps Einreiseverbot für iranische Staatsbürger gilt weiter. Für Spieler und Offizielle will das State Department Ausnahmen prüfen, für Fans nicht. Die Folge: Irans Anhängerschaft bliebe zu Hause, die Stadien in Inglewood und Seattle würden zur politischen Bühne.

Die eskalationsstufe, die keiner auf dem rasen verorten will

Die eskalationsstufe, die keiner auf dem rasen verorten will

Der Konflikt hat längst die Sportseiten verlassen. Chatham-House-Analystin Sanam Vakil warnt: „Es geht um das Regime-Überleben, nicht um Taktik.“ Solange die Raketen fliegen, wird auch der Ball nicht rollen – so die Botschaft aus Teheran. Die FIFA steht erstmals seit 1998 vor einem geopolitischen Zwangsausschluss, kurz vor dem Start ihrer 48-Stunden-Show.

Die Wette: Entweder schlägt Infantino einen Deals mit Riad oder Doha als Not-Spielort aus – oder er riskiert, dass die WM ihr erstes politisches Opfer vor dem Eröffnungskick fordert. Die Uhr tickt, die Raketen ebenso.