Iran trotzt bombenhagel und us-grenzsperre – wm-reise startet samstag

Der Countdown läuft, aber der Stempel fehlt noch. Irans Nationalteam will trotz offener Visa-Frage am Samstag nach Mexiko aufbrechen – mitten in einem Krieg, der die USA und den Iran seit Ende Februar in einen Bombenkrieg stürzte.

Flucht nach vorn: erst spanien, dann tijuana

Verbandschef Mehdi Taj bestätigte am Dienstag den Plan: Samstag geht’s per Charter nach Madrid, von dort weiter ins WM-Basislager nach Tijuana. Ursprünglich sollte das Quartier in Tucson/Arizona stehen – direkt im Land, gegen das der Iran faktisch Krieg führt. „Ein mexikanisches Visum kommt in den nächsten Tagen, dann folgt das US-Visum rasch“, behauptet Taj. Klingt einfach. Ist es nicht.

Denn die Vorrunde findet komplett in den USA statt: Dallas, Atlanta, Kansas City. Drei Mal Einreise, drei Mal Grenzkontrolle – und keiner weiß, ob der Spielerpass reicht oder ob plötzlich ein Diplomat den Stift hebt.

Krieg, kasse, katerstimmung

Krieg, kasse, katerstimmung

Das Team trainiert derzeit in der Türkei, weil Zuhause Fliegeralarm und Raketenschläge zur Normalität geworden sind. „Die Lage im Land hat alle Pläne über den Haufen geworfen“, sagt Taj nüchtern. Dazu kommt der Rubel-Effekt: Die Rial ist gegen den Dollar abstürzt, das Budget schrumpft, die Vorbereitung wird improvisiert. Am Donnerstag testen die Iraner in Antalya noch gegen Mali – ein Freundschaftsspiel unter Kriegsgeflüster.

Die stunde null naht

Die stunde null naht

Am 11. Juni startet die WM – und die iranische Delegation hofft, bis dahin nicht nur Stempel, sondern auch Spielwitz zu besitzen. Die Uhr tickt. Die Bomber fliegen. Und irgendwo in einem Hangar rollt schon das Flugzeug mit dem Ziel Europa, das die Mannschaft in ihr höchstes Risikospiel seit 1998 bringen soll.

Die Rechnung: acht Tage bis Kick-off, drei Visa, zwei Kontinente, ein Krieg. Die Wette: dass der Ball am Ende doch rollt – egal wie groß der Rauch über Teheran steigt.