Iran schlägt gegen belgien und die usa gleichzeitig zurück

Die Uhr tickt, die Nerven liegen blank. In knapp 24 Stunden muss Iran gegen Belgien ran, doch die größte Herausforderung der Mannschaft steht nicht auf dem Rasen, sondern in Visa-Stempeln und Flugverboten. Teheran reichte soeben beim FIFA-Hauptquartier in Zürich eine formelle Beschwerde ein: „Dunkler Fleck der WM-Geschichte“ lautet die Anklage gegen die US-Behörden, die der iranischen Delegation die geplante Trainingswoche in Kalifornien verweigerten. Statt Akklimatisierung bleiben nur ein paar Stunden auf US-Boden – und ein K.o.-Duell gegen die verunsicherten Roten Teufel.

Belgien bangt um lukakus einsatz und seine seele

Die Statistik versteckt keinen Makel: seit fünf Pflichtspielen wartet die belgische Offensive auf ein Tor aus dem Spiel heraus. Eden Hazard ist Geschichte, De Bruyne wirkt müde, und nun fällt auch noch Jeremy Doku mit einer bakteriell bedingten Lungenentzündung aus – eine Woche vor der Geburt seines ersten Kindes. Trainer Tedesco testete gestern im geschlossenen Training 3-4-2-1 und 4-3-3 durch, doch alles bleibt Makulatur, wenn Romelu Lukaku nicht aufdreht. Der Stürmer kam gegen Ägypten erst in der 63. Minute, schoss trotzdem das 1:1 und schrie danach in die Kamera: „Ich bin noch lange nicht fertig.“

Mental steckt Belgien tief im Qatar-Trauma. Die Erinnerung an die Vorrunden-Blamage brennt. Ein weiterer Fehlstart und die „Goldene Generation“ wird zur „Goldenen Farce“. Deshalb flog die Mannschaft gestern Nacht schon nach San José, um jede Minute Schlaf und jede Watt Sekundenlicht zu nutzen.

Taremi trägt irans hoffnung und hass zugleich

Taremi trägt irans hoffnung und hass zugleich

Während Lukaku sich mit Schmerzmitteln fit pumpt, schultert Mehdi Taremi den ganzen Orient. Der 31-Jährige flog aus Porto direkt um den Globus, ohne die übliche Zwischenlandung im eigenen Land. „Wir wurden behandelt wie Gefangene mit Trikots“, schimpfte der Stürmer nach der Ankunft, noch bevor er überhaupt das Hotel betrat. Die FIFA leitete den Fall an das Schiedsgericht weiter, doch eine Entscheidung vor Anpfiff gilt als ausgeschlossen.

De facto trainierte Iran seit dem 1:1 gegen Neuseeland nur noch im Hotel-Fitnessraum und in einem provisorischen Zelt auf dem Parkplatz. Sportsoldaten statt Fußballer. Dennoch: Taremis Treffer gegen die All Whites kam per Volley aus 18 Metern – eine Ankündigung. Die belgische Abwehr um Vertonghen und Faes ist nicht gerade für Tempodribblings bekannt; wenn Taremi einen halben Schritt Vorsprung hat, kann das Spiel kippen.

Wenn politik den ball blockiert

Wenn politik den ball blockiert

Die US-Regierung rechtfertigt die Einreiseverzögerung mit „Sicherheitsprüfungen“ – inoffiziell geht es um das Atomabkommen und die anhaltenden Proteste im Iran. Die FIFA schwieg gestern zu den Vorwürfen und verwies auf „diplomatische Kanäle“. Dabei wäre ein einziger Satz auf Twitter genug, um den Druck zu erhöhen. Doch Infantino schweigt, weil 2025 der Klub-WM-Kalender neu verhandelt wird und Washington dabei ein Wörtchen mitzureden hat.

Für Belgien wäre ein Sieg die Rettung, für Iran der Befreiungsschlag. Ein Remis? Das würde beide Teams in die Endspiel-Falle treiben. Irans Kapitän Ehsan Hajsafi sagte gestern in der Mixed Zone: „Wir sind müde, aber wir haben nichts zu verlieren – außer unsere Ketten.“

Wenn heute Abend um 21 Uhr Ortszeit der Anpfiff ertönt, steht mehr als drei Punkte auf dem Spiel. Es geht darum, ob Fußball noch die Macht hat, über Grenzen hinwegzufliegen – oder ob Grenzen den Fußball ersticken. Die Antwort dürfte 90 Minuten dauern. Die Nachwirkungen könnten Jahre andauern.