Iran schickt team als „kriegshelden“ zur wm – visum offen
Schon die Verabschiedung war kein Fußballfest, sondern ein Schlachtenbild: Tausende Regime-Treue versammelten sich auf dem Teheraner Enghelab-Platz, um die Nationalmannschaft nicht als Sportler, sondern als „Kriegshelden des Obersten Führers“ in die WM zu schicken. Präsident Massud Peseschkian wetterte live gegen die USA, Verbandschef Mehdi Tadsch rief den „Widerstand“ auf dem Rasen aus. Die Hymne, neu arrangiert, klang wie Marschmusik.

Visa ungewiss, stimmung auf krawall gebürstet
Doch hinter der martialischen Show klafft eine Lücke: Noch immer liegt keine Garantie vor, dass alle 26 Spieler und das Gefolge überhaupt ins WM-Land USA einreisen dürfen. Mehrere Kadermitglieder sowie Tadsch selbst stehen auf US-Sanktionslisten wegen mutmaßlicher Verbindungen zu den Revolutionsgarden. Die FIFA beschwichtigt, die Botschaften arbeiteten „mit Hochdruck“. Fakt ist: Ohne Stempel im Pass gibt es kein Training in Seattle, kein Spiel in Los Angeles.
Trainer Amir Ghalenoei musste in Teheran improvisieren. Er ließ A-Team gegen B-Team antreten, dreimal hintereinander, weil wegen der fragilen Waffenruhe kein Gegner anreiste. Erst in der kommenden Woche in Antalya steht ein echtes Testspiel an – gegen Gambia, Platz 116 der Weltrangliste. Ein letzter Check für eine Mannschaft, die längst zwischen den Fronten eines Konflikts steht, der weit über den Fußball hinausreicht.
Die Gruppenphase bringt Iran genau dorthin, wo die politische Brisanz am größten ist: Spiele in Seattle und LA gegen Belgien, Ägypten und Neuseeland. Die Tickets sind verkauft, die Karten aber noch nicht gegeben. Sollte auch nur ein Betreuer abgewiesen werden, droht ein Eklat mit Knock-out-Wirkung. Die FIFA schweigt zu Details, das iranische Fernsehen betet weiter den Kriegshelden-Mythos. Die Spieler? Sie halten den Ball flach – und hoffen, dass ihnen nicht der Pass flöten geht.
