Inter zittert vor florenz: calhanoglu zurück, bastoni und lautaro auf der kippe
Appiano Gentile gleicht einem Wartezimmer. Nach dem 4:0-Klatsche gegen Atalanta zittert Inter um den Kniefall vor der Länderspielpause – und um zwei Schlüsselfiguren. Hakan Calhanoglu kehrte gestern ins Mannschaftstraining zurück, aber Alessandro Bastoni humpelte nach dem Aufwärmprogramm in die Reha-Abteilung, Lautaro Martínez trabte einsam um die gelben Kegel. Das bedeutet: Fiorentina am Sonntag könnte ohne italienischen Abwehrchef und argentinischen Kapitan stattfinden.
Warum bastoni nur zehn minuten mitlief
Der 25-Jährige spürte bei jedem Absprung einen stechenden Schmerz im Oberschenkel. Simon medical staff stoppte den Außenverteidiger sofort, ehe die Ballstaffel beginnt. Die Diagnose: Reizung der Adduktoren, Ausfallzeit offen. „Wir werden täglich neu vermessen“, sagt Interims-Coach Cristian Chivu, der seit Spalletti-Sperre das Sagen hat. Kein Euphemismus – sondern ein Eingeständnis, dass die Defensive gegen Dusan Vlahovic & Co. improvisiert werden muss.
Henrikh Mkhitaryan fehlt ohnehin länger. Der Armenier laboriert an einer Kapselverletzung im Sprunggelenk, sein Mittelfeld-Regisseur-Job bleibt vakant. Marcelo Brozovic rückt neben Calhanoglu in die Doppel-Sechs – ein Duo, das in dieser Saison erst 73 Minuten gemeinsam auf dem Platz stand.

Lautaro spielt die wm-karte
Argentinien ruft. Martínez will unbedingt im Freundschaftsspiel gegen Guatemala am 31. März dabei sein, um seinen Stammplatz fürs Copa-América-Turnier zu sichern. Die physios geben sich 60:40, dass er gegen die Viola zur Einstimmung auf die Bank darf – mehr ist wegen des noch vernarbten Wadenmuskels tabu. Ein Einsatz über 15 Minuten gilt intern als „optimistisch“. Doch der Stürmer pokert: Wer gegen Italien nicht spielt, reist möglicherweise nicht nach Buenos Aires.
Die Zahlen sprechen für sich: Ohne Lautaro traf Inter in den letzten fünf Partien nur viermal, drei davon per Elfmeter. Mit ihm: 2,1 Tore pro Spiel. Die Drohung ist real, dass Inter vor der Winterpause die Tabellenspitze an Neapel abtreten muss, sollte die Offensive erneut stagnieren.

Chivus notlösung: youngster statt stars
Der Übergangstrainer testet im Trainingslager von Milanello eine Dreierkette mit Federico Dimarco als linkem Innenverteidiger – ein Experiment, das gegen Florenz retten soll. Rechts hinten droht Denzel Dumfries ein Sololauf, weil Matteo Darmian ebenfalls mit Oberschenkelproblemen kämpft. Die Krise wächst, der Kader schrumpft.
Der Verein verhandelt parallel mit Panini über ein Sonderheft – 80 Euro für das komplette Sammelbilder-Set, ein Trostpflaster für Fans, die sich auf mögliche Punkteverluste einstellen müssen. Die Logik ist simpel: Wenn die Stars fehlen, muss der Merchandise zahlen.
Am Sonntag um 18 Uhr ist Anpfiff im Franchi. Bricht Inter dort die Negativserie, bleibt der Vorsprung auf die Verfolger intakt. Scheitert die Notelf, wird die Länderspielpause zur Generalprobe für einen neuen Trainer – egal, wie sehr die Geschäftsführung das Gegenteil beteuert. In Mailand wartet niemand mehr auf Wunder. Man wartet auf Tore. Und auf gesunde Knochen.
