Inter zerbricht im big-match: derby-fluch lässt titel-sterne zittern

Der letzte Sieg gegen den AC Milan datiert vom 22. April 2024 – seitdem hat die Nerazzurri fünf Mal verloren und zweimal remisiert. Ein Selbstwert-Massaker, das den Meister-Traum plötzlich wackeln lässt.

Es war Estupináns flacher Links-Fuß, der am Sonntag die Wunde wieder aufriss. 1:0 im Rückspiel, siebter Derby-Pechstreifen in Serie. Die Kurve im San Siro verstummt, die Spieler starren ins Leere. Zwischen Mailand und Neapel holte Inter in dieser Saison aus acht Spielen nur einen Punkt – ein Debakel für einen Klub, der sich als Big-Match-König sieht.

Die zahlen, die inzaghi nicht schönreden kann

Die Bilanz gegen Top-Teams liest sich wie ein Horrorprotokoll: 0 Siege gegen Napoli und Milan, 1 Sieg gegen Juventus – und selbst der war ein Zufallsprodukt nach Rabiot-Rot. In der Champions League fegte Atletico die Nerazzurri raus, Arsenal zerlegte sie, und selbst Bodo/Glimt schickte sie zweimal Heim. Die einzige Konstante: ein 3:2 im Westfalenstadion, das mittlerweile wie ein Tropfen Wein in einem Ozean aus Gallen schmeckt.

Die Statistik-Agenturen haben eine Serie gefunden, die bis 1974 zurückreicht: kein Inter-Team verlor je sieben Derbys in Folge. Der Rekord hielt 13 Jahre an – bis heute. Wenn die Saison so endet, wird nicht nur ein Stern über der Brust verrissen, sondern ein Jahrhundertstolz.

Chivu muss die dna umbauen – oder fliegt

Chivu muss die dna umbauen – oder fliegt

Interimscoach Cristian Chivu versprach nach dem Spiel „mehr Leidenschaft“, doch Leidenschaft reicht nicht, wenn der Gegner jeden zweiten Ball gewinnt. Die Achse Calhanoglu-Barella brodelt, aber sie brodelt allein. Thuram läuft sich fest, Lautaro schießt aus zehn Metern über den Balken. Die taktische Lösung: ein 3-5-2, das in der Theorie überläuft, in der Praxis aber nur noch nachläuft.

Die Verantwortlichen haben bis Saisonende noch vier vermeintliche Leichtgewichte auf dem Programm: Atalanta, Roma, Como, Lazio. Doch Atalanta spielt schon wieder wie ein Pressschlagwerk, Roma hat einen Daniele De Rossi, der seine Karriere als Motivationsguru neu erfindet. Und Lazio? Die Biancocelesti haben Inter in der Coppa Italia 3:0 gedemütigt – ein Nachspiel-Alptraum, der kein Einzelfall bleiben darf.

Die Supercoppa 2024 war erst der Vorgeschmack: 2:0-Führung, dann der Klassiker in der 93. Minute durch Tammy Abraham. Wer solche Tore kassiert, baut nicht nur eine Mannschaft um, sondern eine Mentalität. Barella sagte nach dem Finale: „Wir sind ein Team aus Champions, aber keine Champions mehr.“ Der Satz hallt bis heute nach.

Wenn Inter den Titel verteidigen will, muss es nicht nur gewinnen, sondern lernen, zu vernichten. Sonst wird die zweite Stern-Reihe zur temporären Tätowierung – und die nächste Derby-Niederlage nur eine Frage des Kalenders. Das Stadion wird wieder brüllen, doch der Schrei klingt schon jetzt nach Déjà-vu.