Inter stolpert, milan atmet auf: die meisterschaft wird zur nervenschlacht

Die Nerazzurri haben sich selbst in Bedrängnis gebracht. Nach dem 1:1 gegen Atalanta schrumpft der Vorsprung von Inter auf fünf Punkte – und das, obwohl noch neun Spieltage auf dem Programm stehen. Die Rossoneri wittern die Chance, die sie sich vor Wochen nicht einmal erträumt hatten.

Allegri spielt verfolger, pioli kämpft gegen die angst

Allegri spielt verfolger, pioli kämpft gegen die angst

Max Allegri beharrte gestern Abend darauf, die Champions-League-Tabelle zu studieren. Dabei liegt der Fokus seiner Juve längst nicht mehr nur auf Platz vier. Der Coach aus Livorno hat die Risse im Inter-Spiel erkannt: „Wer erwartungsvoll führt, verliert leicht die Klarheit“, sagte er nach dem 2:0 in Udine. Ein Satz, der in Milanello genau so ankam wie das Ergebnis aus Bergamo.

Simone Inzaghi muss nun mit der Last leben, die seine Mannschaft selbst geschaffen hat. Der Schiri-Eklat von gestern – zwei abgelehnte Elfmeter, ein nicht gegebener Platzverweis – kocht noch in den Köpfen. Doch Dauerproteste zehren Energie. Und genau die braucht Inter in den nächsten Wochen, um nicht die Kontrolle zu versieren.

Die Zahlen sprechen für sich: In den letzten zehn Jahren gaben Teams mit einem Fünf-Punkte-Polster neun von zehn Mal die Meisterschaft nicht mehr ab. Die Ausnahme: 1999, als Milan unter Zaccheroni bei noch sieben Partien sieben Zähler aufholte. Genau diese Statistik zitieren die Rossoneri in ihrem WhatsApp-Status.

Christian Pulisic trainierte heute 30 Minuten länger. Der US-Boy will gegen Lazio (heute 20.45 Uhr) seine zwölfte Saisontreffer nachlegen. Sein Laufstil wirkt entspannter als der des ganzen Klubs – und das ist Milan größtes Plus. Wer locker auftrumpft, trifft auch mal aus 25 Metern.

Die Curva Sud bereitet bereits Choreos für das letzte Heimspiel gegen Verona vor. Noch sind 27 Punkte im Spiel. Wer jetzt zittert, verspielt die Saison. Wer jetzt attackiert, schreibt Geschichte. Inzaghi oder Pioli – einer von ihnen wird in vier Wochen als Titelheld dastehen, der andere als Mann, der die Nerven verloren hat.