Inter stellt um: chivus riskantes roulette ohne lautaro
Ohne Lautaro und Bonny, dafür mit Derby-Fieber in den Adern: Cristian Chivu lässt beim Coppa-Halbfinale in Como seine Inter-Offensive aus dem Hut tanzen – und kreiert ein Sturm-Konstrukt, das es in 217 Pflichtspielen unter Simone Inzaghi nur vier Mal gab.
Ein einziger stürmer reicht – zumindest für 90 minuten
Die Zahlen sind gnadenlos. 217 Partien, 213 Mal Doppelspitze. Nur vier Mal vertraute der Coach der Nerazzurri auf eine einsame Spitze. Das letzte Mal war es der 2:0-Sieg in Como, damals noch mit Taremi im Zentrum und Correa als hängender Bombe. Jetzt, sechs Monate später, droht dieselbe Ausnahme – nur mit anderen Namen.
Der Grund liegt im Lazarett. Lautaro Martinez fehlt mit Muskelproblemen, Bonny mit Syndesmoseschmerzen. Chivu hat noch zwei Stürmer übrig: Thuram und Esposito. Doch statt der erwarteten Doppelschaltung schickt er gegen Como einen Hybriden auf den Rasen. Esposito rückt vor, Frattesi als falsche Neun dicht dahinter. Thuram sitzt zunächst, Atalanta-Video im Nacken, bereit für den Endspurt.
Die Taktik ist ein Schnellschuss, aber kein Blindflug. Inzaghis Historie zeigt: Wenn er auf eine Spitze umstellt, gewinnt Inter. 2:0 in Como, 2:0 gegen Turin, 4:0 gegen Genua. Drei Spiele, drei Siege, null Gegentore. Die Stichprobe ist klein, die Botschaft klar: Chivu spielt mit dem Momentum statt gegen es.

Derby-angst als turbo
Hinter dem Horizont lauert bereits der Showdown. Am Sonntag empfangen die Nerazzurri den AC Milan – bei einem Vorsprung von zehn Punkten könnte ein weiterer Sieg die Meisterschaft besiegeln. Doemica liegt die Luft dick. Kein Wunder, dass Chivu rotieren will. Die Startelf in Como bekommt acht neue Gesichter, nur Sommer, Bastoni und Dimarco bleiben. Der Kader ist breit, die Nerven liegen blank.
Für Esposito ist es der Jungbrunnen. Der 20-Jährige aus der Primavera soll beweisen, dass Inter auch ohne Superstars träumen darf. Seine letzte Bewährungsprobe: das Club-WM-Halbfinale gegen Urawa, damals noch hinter Lautaro. Jetzt steht er im Zentrum, flankiert von Frattesis Laufwegen und Barella’s Steilpässen. Ein einziges Tor reicht, um die Vorfreude auf das Derby zu entzünden.
Chivus Kalkül ist kühl. Er spielt Roulette, aber mit festen Kugeln. Gewinnt Inter in Como, flattert dem Club die zehnte Coppa ins Regal. Verliert er, hat er trotzdem Samstag die Chance auf Revanche – und auf die Meisterschaft. Die Rechnung lautet: Risiko heute, Ruhm am Wochenende. Die Kurve singt bereits. Die Stadt ist bereit. Und Esposito? Der spielt sein Leben, 90 Minuten lang.
