Inter feiert meisterschaft: torhüter stehlen die show beim scudetto-fest
Es war die Nacht der Handschuhe. Während sich das Meister-Logo auf die Brust der neuen Trikots brennte, warfen Inter Mailand zwei Keeper in den Ring, die alles wegfausteten – bis auf den Pokal. Yann Sommer und Emil Audero parierten sich in die Choreo hinein und hielten die 0 gegen Torino, damit die Scudetto-Party in San Siro nicht getrübt wird.
Die noten: sommer glänzt mit neun, audero mit ehrenrunde
Die Gazzetta dello Sport verpasste dem Schweizer eine 9, für Audero reichte es trotz nur 20 Minuten Einsatzzeit zur 6,5 – plus Standing Ovation. Dazwischen lagen 71 Minuten, in denen Sommer zweimal den Ball aus dem Winkel kratzte und einmal per Fußabwehr den Konter von Duván Zapata im Keim erstickte. Die Kurve sang „uno di noi“ – und meinte damit nicht nur die Feldspieler.
Die Statistik: sieben Schüsse aufs Tor, null Gegentreffer. Die Zahl klingt bescheiden, aber sie war der letzte Nagel an Torinos Sarg. Denn schon vor Anpfiff stand fest: Gewinnt Inter, ist die 20. Meisterschaft perfekt. Der 2:0-Erfolg durch Treffer von Thuram und Lautaro verwandelte die Curva Nord in einen schwarz-blauen Vulkan, der selbst die Feuerwehr nur zuschauen ließ.

Der plan von simone inzaghi: rotation statt risiko
Der Coach hatte gewarnt: „Wir wollen den Pokal auf dem Rasen feiern, nicht in der Kabine.“ Deshalb rotierte er früh, schonte Calhanoglu und brachte Frattesi für zusätzliche Dampfmaschine im Mittelfeld. Der Effekt: 62 % Ballbesitz und ein xG von 2,11 gegenüber 0,47 der Gäste. Torino wurde in die eigene Hälfte gedrängt, wo Buongiorno und Schuurs nur noch mit Fouls rannten – insgesamt 17 Mal pfiff Orsato, zweimal Gelb.
Die Nachspielzeit war reine Kür. Als Audero für Sommer einlief, brandete Applaus bis zum secondo anello. Der Italiener hatte in dieser Saison nur vier Pflichtspiel-Einsätze, doch jeder einzelne war sauber. Die Neun-Punkte-Marke aus dem Torwart-Spiel ist damit die höchste, die ein Keeper-Team in der Europa-League-Ära je holte. Ein Scudetto aus der Box heraus – ganz im Stil von Zenga und Toldo.

Die szene des abends: lautaro hält die welt an
In der 84. Minute nahm der Kapitän den Ball, schob links am Strafraum vorbei und netzte zum 2:0 ein. Dann stand er still, Arme ausgebreitet, Blick zum Himmel – und ließ die 75.000 schreien. Es war sein 23. Saisontreffer, der ihn an die Spitze der Capocannoniere-Wertung katapultiert. „Ich habe meine Familie und meine Stadt gewählt“, sagte er später vor dem Sky-Mikro. Die Kamera zoomte auf das Trikot: „1908-2024, 20 volte campioni“ – neu gestickt, frisch aus dem Druck.
Die Feier dauerte bis 2:14 Uhr. Dann fuhr der Bus los, durch die Via della Magna Grecia, vorbei am Duomo, wo Tausende trotz Arbeitsnacht warteten. Barella hielt den Pokal aus dem Dachfenster, Dimarco filmte mit dem Handy. Und die Torhüter? Sie schlugen die Hände aufs Blech – rhythmisch, laut, unendlich. Denn wer den Schlusspfiff hält, hält auch die Geschichte fest. Die nächste steht schon an: Supercoppa gegen Milan, 18. August in Riad. Die Handschuhe sind bereits gepackt.
