Inter explodiert nach skandal-poker: schweigen statt wutrede

San Siro bebt, doch nach dem Schlusspfiff herrscht Totenstille. Der Inter Mailand verweigert jede Stellungnahme, weil sie die Schiedsrichterleistung gegen Atalanta als „untragbar“ empfindet. Die zwei strittigen Szenen in Hälfte zwei kosten die Nerazzurri zwei goldene Punkte im Scudetto-Rennen.

Der tumult in 210 sekunden

Der tumult in 210 sekunden

82. Minute: Krstovic köpft zum 1:1, doch im Vorlauf rammte Sulemana Dumfries – ohne Ballkontakt. Fünf Minuten später bleibt Frattesi nach einem Tritt von Scalvini am Boden liegen, Schiedsrichter Mariani greift nicht ein. Beide Male prüft der VAR, beide Male bleibt die Pfeife stumm. Die Folge: Coach Christian Chivu sieht Gelb-Rot, die Kabine kocht, und die Klubführung zieht sich ins Dunkel zurück.

Inter-Innenminister Giuseppe Marotta verweigerte jede TV-Analyse, auch Kapitän Lautaro Martinez schlüpfte durch den Mediengang, ohne ein Wort. „Wir wollen nicht mit Schiedsrichterfehlern präsentiert werden, wir wollen Fußball spielen“, zitiert die Gazetta dello Sport eine anonyme Vereinsquelle. Die Liga-Spitze fordert indes Eilanalyse, um Imageschaden zu vermeiden.

Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2019 kassierte Inter erst das zweite Mal keine TV-Präsenz nach einem Heimspiel. Die letzte Boykott-Aktion folgte 2021 nach dem Supercup-Debakel gegen Juventus. Der Ruf nach Videobeweis-Reform wird lauter, Sportdirektor Ausilio soll laut Gazzetta ein Positionspapier an Liga-Chef Casini schicken.

Trainer Simone Inzaghi atmet tief durch. Mit 63 Punkten liegt Inter zwei Zähler hinter der Tabellenführung, muss aber befürchten, dass der Schiri-Streit die Mannschaft emotional blockiert. „Wir können uns keine weiteren Punktsalons leisten“, sinnierte der Coach intern. Die nächsten Aufgaben: Auswärts bei Bologna, dann das Spitzenduell gegen Milan. Wer da zittert, ist klar: die Nerazzurri – und vielleicht auch die italienische Schiedsrichterzunft.