Inter an ostern: 41. spiel, 41. mal nervenkrieg – rom kommt zur falschen zeit

Mailand – Ostersonntag, 15:00 Uhr, San Siro. Die Curva Nord singt, aber diesmal klingt es wie ein Ausrufezeichen mit Fragezeichen. Die Inter-Fans wissen: Wenn an Ostern gespielt wird, endet die Geschichte selten mit einem Osterhasen. Meistens mit einem K.o.

41 Mal haben die Nerazzurri bereits an Christi Himmelfahrt gespielt – Rekord in Italien. Die Bilanz? Keine. Die Erinnerung? Eine einzige Galerie von Déjà-vu-Schocks. Letztes Jahr in Bologna: Orsolini trifft in der Nachspielzeit, 0:1. Die Saison riss auf wie ein Reißverschluss, der nicht mehr zugeht. Danach folgten das 0:1 gegen Roma und das 2:2 gegen Lazio. Die Meisterschaft war futsch, die Seele auch.

Rom kommt mit mourinho-logo und ohne skrupel

José Mourinho hat an Ostern schon öfter den Osterhasen geschlachtet. 2010 zerlegte er mit Inter den FC Bayern im Champions-League-Viertelfinale – auch an einem Sonntag. Jetzt kehrt er zurück, diesmal mit der Roma, diesem Bienenfass aus Taktik und Temperament. Die Giallorossi haben in den letzten fünf Auswärtsspielen nur ein Gegentor kassiert. Inter kassierte in den letzten fünf Heimspielen sieben. Die Zahlen schreien lauter als die Fans.

Dazu die personelle Achterbahn: Alessandro Bastoni fehlt mit Muskelfaserriss, Hakan Çalhanoğlu wird gejagt von türkischen Medien, weil er beim Autogramm-Diebstahl versehentlich ein Besiktas-Trikot signierte. Die Bilder gingen viral. Die Stimmung? Auch.

Die oster-crash-kurve seit 1978

Die oster-crash-kurve seit 1978

1978 gewannen die Nerazzurri in Bergamo, aber draußen war gerade Aldo Moro entführt. 2004 siegten sie in Perugia, aber die Kirche protestierte: „Der Fußball-Gott verdrängt den Herrgott.“ 2023 verloren sie in Bologna, und die Meisterschaft verdrängte sich selbst. Drei Jahrzehnte, drei Oster-Beben. Das Stadion war immer voll, die Seele immer leerer.

Sonntag also wieder 75.000 Menschen, die sich fragen: Schafft Simone Inzaghi die Kurve, oder schlägt er sich selbst die Schuhe aus? Sein 3-5-2 funktioniert nur, wenn die Doppelsechs nicht wie letzte Woche gegen Lecce 58 Prozent Zweikampfquote liefert. Die Roma dagegen kommt mit Paulo Dybala, der an Feiertagen schon sieben Tore erzielt hat – mehr als jeder andere aktive Serie-A-Spieler. Die Vorzeichen? Eine Mine in Pastell.

Um 17 Uhr wird die Sonne hinter der Nordtribüne versinken. Entweder taucht sie das Stadion in Gold, oder sie lässt die Schatten länger werden. Inter an Ostern: 41. Spiel, 41. Mal Nervenkrieg. Die Hasen sind fertig. Die Meisterschaft auch – oder eben nicht.