Hyundai ioniq 6 n: die 650-ps-elektrische, die driften lehrt
Barcelona – 3,2 Sekunden auf 100, 770 Newtonmeter aus dem Stand, und trotzdem surrt sie nur, statt zu brüllen. Die Ioniq 6 N ist Hyundais zweiter elektrischer Rennreif, der nach der 5 N nun auch der viertürigen Strom-Limousine einen N-Aufkleber verpasst. Erste Runde auf dem Parcmotor Castellolí: Die 2,2 Tonnen fühlen sich an wie 1,6, der cx-Wert kracht von 0,21 auf 0,27, weil Carbon-Splitter und Heckflügel die Luft zerreißen. Preis? Noch geheim. Erwartet: 75 000 Euro, Start Mitte 2026.
Datenblatt mit folgen
Unter der Haut zwängt sich ein 84-kWh-Nmc-Akku zwischen die 800-Volt-E-Gmp-Architektur. Vorn ein 166-kW-Synchronmotor, hinten 282 kW – zusammen 448 kW/609 PS, mit Boost 478 kW/650 PS. Die Drift-Traktionskontrolle erlaubt elf Stufen, von sicherem Allrad bis zur Heckschleuder. Virtuelles Acht-Gang-Getriebe inklusive Begrenzer-Pops – wer will, kann Petrol-Head-Nostalgie simulieren, wer nicht, schaltet alles ab und lässt 487 km WLTP-Reichweite ruhen.
Die Breiten 275/35 R20 quetschen sich auf 20-Zoll-Schmiederäder, dahinter 400-Millimeter-Wellenbremsen vorn, 360 mm hinten. Die elektronische Dämpfersteuerung ECS arbeitet mit dem e-Lsd am Hinterachsleger, um 2.275 kg Einspielgewicht in Kurven zu quetschen. Ergebnis: Kein Rollen, kein Nicken, nur noch G-Kräfte, die die Alcantara-Schalensitze in die Rippen bohren.

Strasse: gran turismo mit startknopf
Comfort-Modus, Stadtverkehr Barcelona – die Ioniq 6 N wird zur gedämpften GT. Federwege schlucken Kanten, das Lenkrad bleibt leicht, der Soundtrack trällert elektronisch vor sich hin. Dann Sport: Gasansatz wie Schlag, Drehmoment sofort da, aber kein Ruck. Die Karosse zieht sich flach, der Bordcomputer zeigt 23 kWh/100 km – wer hätte gedacht, dass Elektro auch verschwenderisch kann?
Track: drift-professor statt öko-lehrer
Grüne Flagge, N-Taste gedrückt – ESP rückt zurück, 80 % Kraft nach hinten. Eingang Parabolica: 200 Meter Bremsspur, Pedal kratzt, Temperaturanzeige bleibt kühl. Ausgang Vollgas, 770 Nm schieben die 20-Zöller über den Asphalt. Dann Drift-Modus: Winkel einstellen, Gaspedal dosieren, das Heck bricht aus, Lenkrad korrigieren – und das alles ohne Benzingeruch. Drei Runden später steht 1.42,3 Min, genug für einen Kaffee, bevor der Akku 10 % fällt und die Laderate auf 350 kW sprintt. 18 Minuten für 10-80 % – Zeit für zwei TikToks und eine Cola.

Was bleibt?
Hyundai baut keine Elektro-Compliance-Wagen mehr, sondern Spielzeuge, die Verbrenner-Fans um die Ecke bringen. Kofferraum 400 Liter – klein, aber wer kauft eine 650-PS-Limousine für Ikea? Verbrauch: 18,7 kWh WLTP, real 25-plus, wenn man die 3,2-Sekunden-Sprints nutzt. Aber das ist okay, denn das neue N-Gesicht der Koreanen lautet: Erst Spaß, dann Sparsamkeit. Und wenn die Preismeldung kommt, stehen die ersten 1.000 Vorbesteller bereits Schlange – bereit, mit Strom zu rauchen.
