Huijsen verteidigt valverde: 'rote karte war gelb, maximal'
Las Rozas früh am Morgen, zwei Stunden vor dem Sponsoren-Frühstück: Dean Huijsen zieht die Kappe tiefer, atmet durch und legt los. Kein Blatt vor den Mund, nur die Zahneknirschen der Fernsehkameras als Antwort. Thema Nummer eins: die Rote Karte gegen Fede Valverde im Clásico. „Gelb, sonst nichts. Er trifft den Fuß, keine Spikes, keine Absicht – klar im VAR“, sagt der 19-Jährige, während die Journalisten schon nachlegen. Die Szene, in der Valverde Gündogan umhaut, spaltet Spanien seit drei Tagen. Huijsen spaltet nicht, er schlichtet – zumindest für seine Kabine.
Was niemand erwartet: Der Verteidiger wirft der Presse den Ball zurück. „Ihr müsst über irgendwas schreiben, klar. Aber fragt lieber den Coach, warum ich hier bin.“ Die Messlatte liegt auf dem Rasen, nicht im Redesaal. Huijsen spricht, als wäre er schon zehn Jahre Nationalspieler. Stolz? „Unbeschreiblich. Ich war monatelang nicht auf dem Level, das ich selbst verlange. Trotzdem bin ich hier. Das sagt mehr als alle Kommentare.“ Ein Satz, der selbst die versammelten Radio-Reporter verstummen lässt.

Cucurella träumt vom wm-duell mit argentinien
Während Huijsen die Stimmung auf 180 bringt, tritt Marc Cucurella ans Mikro. Der Linksverteidiger von Chelsea könnte Geschichte schreiben: Europameister, Klub-Weltmeister, Weltmeister – alles in einem Jahr. „Ein Privileg, kein Selbstläufer“, sagt er mit dem Blick eines Mannes, der weiß, dass Spanien derzeit auf sieben verletzte Stammkräfte verzichtet. Die Finalissima gegen Argentinien, abgesagt wegen Termin-Chaos, bleibt offen. „Wenn wir sie bei der WM treffen, haben wir keine Angst. Im Gegenteil: wir warten darauf.“
Cucurella lacht nicht. Er erinnert sich an das Stadion von Lusail, an dem Chelsea den Weltpokal holte. „Ojalá zurückkommen. Mit Spanien. Mit dem gleichen Ergebnis.“ Die Uhr tickt, die Verletzten kehren zurück, der Kader wird enger. „Wir sind bereit, auch wenn die Außenwelt nur die Clásico-Polemik sieht.“
Am Ende stehen zwei Spieler, zwei Positionen, eine Botschaft: Die Nations League startet, die WM rückt näher. Wer glaubt, dass Spanien zerstritten ist, hat die Rechnung ohne die Kabine gemacht. Die nächste Krise? Vielleicht. Aber heute Mittag, zwischen Kaffeetassen und Mikrofonständern, klingt sie noch nicht einmal an.
