Hsv gegen rb leipzig: die nordserie trifft auf die auswärtsmaschine – wer stoppt wen?

19:30 Uhr, ausverkauftes Volksparkstadion, 50.000 Stimmen bereiten sich auf ein Duell vor, das alles hat: eine Heimserie ohne Niederlage seit sieben Spielen, eine Auswärtsmannschaft, die nach Führungen 18 Punkte verschenkte, und ein Verein, der gerade seine größte Ikone verlor.

Horst Schnoor, „der Mann mit den tausend Händen“, fehlt zum ersten Mal seit 1958. Die Fans werden ihn mit dem neuen Sonderdress „Sturm und Glanz“ begrüßen – 70.000 Mal verkauft, Rekord. Die Trauer soll in Energie umschlagen, denn der HSV hat heute die Chance, die beste Heimserie seit 2012/13 weiter auszubauen. 19 Punkte aus elf Partien, das ist nicht nur Statistik, sondern ein Statement.

Fábio vieira ist das zünglein an der waage

Merlin Polzin verlässt sich auf den Portugiesen, der mit drei Toren und vier Vorlagen inzwischen die interne Skorerwertung anführt. Die Zahlen wirken bescheiden, doch sie täuschen: Vieira traf oder legte in jedem zweiten Heimspiel direkt mit dem Tor oder der Vorlage entscheidend mit. Gegen Leipzig wird seine Ballannahme zwischen den Linien gefragt sein, denn RB leiht sich gern die Räume, um sie dann zuzustören.

Ole Werner muss auf Xaver Schlager verzichten. Adduktoren, „einige Wochen“, klingt nach April, nicht nach März. Ohne ihn verliert Leipzig 14 % Ballgewinne im Mittelfeld – ein kleiner Unterschied mit großer Wirkung. Dafür ist David Raum wieder da, fünf Vorlagen, davon zwei in Folge. Die Frage lautet: Nutzt Leipzig die Flügel oder bietet sich der HSV gerade deshalb an?

Die auswärtsmaschine mit seltsamem knackpunkt

Die auswärtsmaschine mit seltsamem knackpunkt

Leipzig kassierte erst neun Auswärtstore – nur Bayern war stabiler. Dennoch holte die Werner-Elf nur zwei Siege aus den letzten zehn Gastspielen. Warum? Weil RB nach Führungen 18 Zähler abgab – mehr als jede andere Mannschaft bis auf Wolfsburg. Die Muster sind identisch: früh Druck, früh Tor, dann Rückzug, dann Konter, dann der Ausgleich. Beim 1:3 in Freiburg, beim 2:2 in Mainz, beim 1:1 in Bremen. Der HSV kann das lesen wie eine Gebrauchsanweisung.

Christoph Baumgartner war an fünf 1:0-Führungen beteiligt, erzielte dreimal das 2:0. Er ist der Spieler, der Leipzigs frühe Dominanz einbalsamiert. Wenn er trifft, gewinnt Leipzig in dieser Saison zu 78 %. Fällt er aus, sinkt die Quote auf 42 %. Er spielt, der Plan steht.

Der volkspark als letzte festung

Der volkspark als letzte festung

RB gewann alle drei Pflichtspiele im Volkspark, Tore 9:1. Doch diese Statistik stammt aus der Zeit, als der HSV noch zweitklassig war und Leipzig sich mit Prestige eindeckte. Heute ist der HSV Tabellensiebter, heute ist die Serie von 2016/17 Vorbild, nicht Ablenkung. Die Norddeutschen verteidigen Standards nahezu so gut wie Leipzig (acht Gegentore gegenüber sechs), erzielen selbst aber nur sechs Eigenständige – Bundesliga-Schlusslicht. Wer hier trifft, gewinnt. Wer zuerst trifft, kontrolliert.

Die Partie läuft nicht im Free-TV, nur bei DAZN. Das ist kein Nachteil, sondern eine Reminiszenz: Erstliga-Fußball im Volkspark war schon 1963 nicht für jeden sichtbar. Die 50.000 im Stadion sind das echte Fernsehen. Die restlichen Fans schalten ein, weil sie wissen: Endet die Serie heute, ist sie Legende. Endet sie nicht, ist sie Realität. Beides lohnt den Blick.

Um 21:22 Uhr wird der Volkspark entweder in Trauer und Stolz schwelgen oder in Ekstase ausbrechen. Die 74 % Spiele mit gerader Toranzahl diese Saison sprechen für ein 1:1 oder ein 2:2. Doch der HSV kennt die Kunst des 1:0, Leipzig die des 2:1. Irgendjemand wird heute eine Serie stoppen. Die Wette gilt: Wer zuerst trifft, bestimmt, welche.