Horrorsturz der silvestri: italiens hoffnung fliegt über schutzplanke
Zwanzig Kilometer vor dem Ziel der Milano-Sanremo Women wurde die Favoritin Debora Silvestri zur Schleuder. Auf der Abfahrt von der Ciprea verlor die 26-jährige Italienerin die Kontrolle, rutschte über das Asphaltband und katapultierte sich meterweit über die Metallplanke. Die Helmkamera der Begleitmotorradpolizei zeigt, wie Silvestri nach dem Aufprall sofort den Oberkörper aufrichtet – ein kleines Wunder, dass sie bei Bewusstsein blieb.

Polin niewiadoma und drei weitere fahrerinnen in kettenreaktion verwickelt
Die Sturzlawine riss Weltcup-Leaderin Katarzyna Niewiadoma mit sich, die mit blutigen Schürfwunden aufstand, sowie die Französin Margaux Vigíé und die Mauritianerin Kim Le Court. Alle vier mussten auf Rettungsmotorräder verladen werden; die Rennleitung stoppte kurzfristig das Peloton, um die Streckenposten zu reorganisieren. Das italienische Team bestätigte vor Ort, dass Silvestri ein Hüftprellung und eine leichte Gehirnerschütterung erlitten hat – ein Start bei der nächsten Welttour-Runde in Flandern gilt als „denkbar, aber nicht gesichert“.
Die Ciprea-Abfahrt gilt seit Jahren als falls Strafpredigt: 9,2 Prozent Steigung, enge Kehren, anschließend ein technischer Drop mit Schattenfugen und Schlaglöchern. „Wer hier zu spät in die Eisen geht, wird vom Asphalt bestraft“, sagte Sportdirektorin Egon van Kessel. Die Datenanalyse von Strava zeigt, dass die Fahrerinnen in der Abfahrt 68 km/h erreichen – bei einer Reifenaufstandsfläche von weniger als einem Quadratzentimeter.
Für Italiens Verband ist der Vorfall ein Déjà-vu. Erst im Vorjahr musste Marta Cavalli nach einem Sturz auf derselben Passage operiert werden. Die Veranstalter kündigten an, die Streckenführung 2025 zu überarbeiten und zusätzliche Sicherheitsmatten zu verlegen. Doch die Fahrer fordern mehr: „Wir wollen keine Pflasterbandagen, wir wollen eine sicherere Linie“, twitterte Niewiadoma noch vom Krankenbett.
Die Entscheidung, das Rennen nicht erneut zu neutralisieren, sorgte für Kontroversen. Mehrere Teams warfen der UCI Nachlässigkeit vor, weil keine Safety-Car-Phase folgte. Die Verantwortlichen berufen sich auf die Regel 2.2.093: Bei Stürzen in der Finalphase sei ein Restart „nicht praktikabel“. Die Folge: Das Peloton jagte mit Tempo 52 km/h Richtung Via Roma, während die Verletzten noch auf der Trage lagen.
Milano-Sanremo gilt als Monument – doch heute steht das Monument für ein System, das seine Athletinnen erst wertschätzt, wenn sie bluten. Die Zeit stoppt nicht für gebrochene Knochen, und die Quote dreht sich weiter. In der Nacht von Sanremo bleibt nur die Erkenntnis: Die Ciprea frisst ihre Kinder, und das Publikum klatscht, während die Rettungshelme leuchten.
