Hoeneß zieht in die homo-debatte: „bei uns wäre das kein thema“
Uli Hoeneß schlägtzurück. Nach dem Coming-out von St.-Pauli-Trainer Christian Dobrick meldet sich der Ehrenpräsident des FC Bayern zu Wort – und schickt eine Kampfansage an die Rester des Rückwärtsdenkens im deutschen Profifußball.
„Ich sehe da überhaupt kein Problem“, sagt der 74-Jährige gegenüber RTL/ntv. Die Worte klingen wie ein Seitenhieb auf jene Klubbosse, die das Thema noch immer lieber totschweigen. Dobrick hatte am Dienstag als erster Bundesliga-Trainer öffentlich über seine Homosexualität gesprochen und damit eine Debatte entfacht, die viele Vereinsverantwortliche lieber im Kabinenflur belassen hätten.

„Wir würden ihn verteidigen – bis zum ende“
Hoeneß legt nach. Falls ein Spieler oder Coach bei den Bayern outen würde, „bekäme er keine Gegenwehr, sondern Rückendeckung“. Die Formulierung ist bewusst martialisch, passt zur DNA des Rekordmeisters: Wer Teil des Klubs ist, genießt Schutz – egal, ob auf dem Platz oder im sozialen Netz. „Falls er medial oder im Internet angegriffen wird, würden wir ihn wie alle unsere Leute verteidigen“, betont Hoeneß. Ein Versprechen, das in Zeiten von Hetzkampagnen und Kommentarspalten ein Signal setzt.
Das Bekenntnis kommt nicht von ungefähr. In der Vergangenheit hatte der Bayern-Klub Vorwürfe eingesteckt, er sei zu zögerlich gegen Diskriminierung vorgegangen. Nun setzt die Führungsetage auf klare Kante – und stellt sich damit in eine wachsende Reihe von Clubs, die Diversity auf die Vereinsagenda schreiben. Dobrick selbst hatte beklagt, Schwule im Profifußball „gelten noch immer als Außerirdische“. Eine Feststellung, die Bundesliga-intern für Stirnrunzeln sorgte, aber eben auch für Gesprächsstoff außerhalb der Fußballblase.
Für Hoeneß ist die Sache klar: Sexuelle Identität dürfe keine Rolle spielen, „weder bei Vertragsverhandlungen noch in der Kabine“. Die Aussage klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Erst vergangene Woche zeigte eine Studie der Deutschen Sporthochschule Köln, dass 85 Prozent der befragten Fußballprofis ein offenes Outing im Team für „problematisch“ halten. Zahlen, die die Lücke zwischen Anspruch und Realität offenlegen.
Hoeneß will diese Lücke schließen – mit der Autorität des Mannes, der den FC Bayern vom traditionsreichen Club zur globalen Marke führte. Ob seine Worte reichen, wird sich zeigen. Doch eines steht fest: Wer jetzt noch schweigt, steht nicht nur auf verlorenem Posten, sondern auch auf der falschen Seite der Geschichte.
