Himalaya-saison eröffnet: annapurna-gipfel, rekordversuche und rückschläge
Die Frühjahrssaison im Himalaya hat offiziell begonnen, und die ersten Erfolge sind bereits vermeldet: Annapurna, Dhaulagiri und Makalu wurden bezwungen. Während sich das Everest-Basislager auf die nächste Welle von Bergsteigern vorbereitet, zeichnen sich ambitionierte Rekordversuche und persönliche Dramen ab – ein Spiegelbild der rauen Schönheit und unberechenbaren Gefahren dieser ikonischen Berge.
Nepal verschärft die regeln für everest-besteigungen
Nepal hat in den letzten Monaten die Anforderungen für Everest-Besteigungen deutlich erhöht. Das neue Gesetz soll die Bildung von Staus und die damit verbundenen Risiken minimieren, indem es beispielsweise die Vorlage einer Besteigung eines 7.000er-Gipfels in Nepal als Voraussetzung vorschreibt. Die Umsetzung dieser Bestimmung erfolgt jedoch erst ab der kommenden Saison. Bis zum 15. April wurden bereits 700 Genehmigungen für 23 Gipfel ausgestellt, darunter 297 für den Everest, verteilt auf 30 Expeditionsteams. Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen wird angesichts der zunehmenden Kommerzialisierung des Bergsteigens und der damit einhergehenden Überlastung immer deutlicher.
Ein frühes Highlight der Saison war die erfolgreiche Besteigung des Annapurna I. am 18. April durch ein 14 Peaks Expeditions-Team. Fünf Bergsteiger – darunter der Russe Vladimir Kotlyar, der Deutsche Alexander Bachmann und der Ecuadoreaner Mario Fernando Villagrán Avendaño – sowie 11 Sherpas erreichten gemeinsam den Gipfel. Darauf folgten weitere Erfolge am Makalu und Dhaulagiri, die die Dynamik der diesjährigen Saison verdeutlichen.
Ein Rückschlag für Stefi Troguet: Die erfahrene Bergsteigerin Stefi Troguet musste ihre Ambitionen, den Annapurna ohne zusätzlichen Sauerstoff zu bezwingen, begraben. Die extremen Temperaturen – mit einer gefühlten Kälte von -40°C – und eine unzureichende Akklimatisierung zwangen sie zum Abstieg bei 7.500 Metern. „Ich war einfach zu langsam mit dieser Kälte. Es wäre ein Punkt ohne Wiederkehr gewesen“, erklärte sie auf Instagram. Ein ergreifendes Beispiel für die unerbittliche Natur der Berge und die Grenzen menschlicher Belastbarkeit.

Rekordversuche auf dem dach der welt: egloff, andrews und harila
Der Everest wird dieses Jahr nicht nur von RoutinierInnen besucht, sondern auch Schauplatz mehrerer ambitionierter Rekordversuche. Der Ecuadoreaner Karl Egloff plant, den schnellsten Auf- und Abstieg vom Gipfel zu realisieren. Sein Ziel ist es, die Strecke vom Basislager zum Gipfel und zurück in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen. Tyler Andrews, ein Mann mit über 90 Rekorden im Speed-Bergsteigen, verfolgt das gleiche Ziel, konzentriert sich jedoch ausschließlich auf den Aufstiegsrekord. Da die tibetische Seite des Everest für Ausländer gesperrt ist, wird er die südafrikanische Route wählen und versucht, Kajis Sherpas Bestzeit von 1998 (20 Stunden 24 Minuten) zu unterbieten.
Kristin Harila, die bereits alle 14 Achttausender in nur drei Monaten bezwungen hat, will nun Lhotse, Everest und Nuptse in einer Durchlaufbesteigung meistern. Die Ereignisse auf der nepalesischen Seite sind jedoch nicht nur von Erfolgen geprägt. Der YouTuber und Hobby-Alpinist Ryan Mitchell musste seine Expedition aufgrund eines Lungenödems abbrechen. Er erlebte zwar eine gute Akklimatisierungsphase, doch nach der Ankunft am Basislager verschlechterte sich sein Zustand rapide. Ein trauriger Beweis dafür, dass selbst erfahrene Bergsteiger den Elementen nicht immer gewachsen sind. Sein Versuch, zusammen mit Justin Sackett den Everest und Lhotse zu besteigen, endete abrupt, als er in Lukla mit einem Lungenödem diagnostiziert wurde – ein Jahr nachdem schlechtes Wetter ihn bereits bei seinem Versuch auf dem K2 aufgehalten hatte.
Die diesjährige Frühjahrssaison im Himalaya verspricht somit nicht nur spektakuläre Erfolge, sondern auch eindringliche Mahnungen an die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit und die unvorhersehbare Kraft der Natur. Die Berge fordern Respekt und Demut, und die Geschichten der Bergsteiger – ob sie erfolgreich sind oder nicht – sind ein Spiegelbild dieser komplexen Beziehung.
