Helen kevric zerschlägt den boorman-mythos: keine chemie mit der ex-biles-coach

Die Olympiastraum-Baustelle Stuttgart ist um ein Drama reicher. Nach nur 14 Monaten ist die US-Import-Trainerin Aimee Boorman weg – und Deutschlands Hoffnungsträgerin Helen Kevric liefert den brisanten Grund: „Wir haben persönlich nie zusammengefunden.“ Mit einem Satz sprengt die 21-Jährige das Konstrukt, mit dem der Deutsche Turner-Bund (DTB) die Ära nach dem Skandal am Kunst-Turn-Forum überbrücken wollte.

Die zwei protagonistinnen, die sich fremd blieben

Kevric spricht von fehlendem Miteinander, von Vorschlägen, die im Vakuum verschwanden. „Aimee ist selten auf meine Ideen eingegangen. Ich wollte nur Kleinigkeiten im Alltag anpassen – ein Schritt hier, ein Timing dort“, sagt sie der Stuttgarter Zeitung. Für eine Athletin, die sich an der Schwelle zur Weltspitze technische Millimeter erarbeitet, war das ein Dauerdämpfer. Boorman, 52, die Simone Biles zu sieben Olympiagoldern coachte, trat in Stuttgart als Retterin in der Not an, nachdem systematischer Missbrauch und Machtmissstände öffentlich geworden waren. Doch statt Heilung kam Stagnation.

Der DTB selbst spricht von „großem Bemühen aller Seiten“. Die Floskel klingt nach Schulhofvermittlung, nicht nach Spitzensport. Intern brodelte es schon im Winter, als Kevrics Sprungserie am Stufenbarren plötzlich wieder Rückschritte zeigte und ihr Bodentempo nicht mehr die alte Radanzahl erreichte. Quellen im Leistungszentrum berichten von Trainingseinheiten, in denen Boorman amerikanische Drill-Methoden auf deutsche Turnerinnen übertrug – ohne die Feinjustierung, die Kevrics Körper verlangt. Die Folge: kleine Verletzungen, große Frustration.

Stuttgart verliert mehr als eine trainerin

Stuttgart verliert mehr als eine trainerin

Mit dem Abgang verflüchtigt sich auch das Narrativ, die DTB-Frauen hätten für LA 2028 einen Super-Coach an Bord. Boorman war die Antwort auf den eigenen Skandal – und wird nun selbst zur halbseitigen Fußnote. Für Kevric beginnt ein Rennen gegen die Zeit: In zwölf Monaten müssen die Qualifikationswettkämpfe für die Olympischen Spiele stehen, und sie braucht einen Coach, der ihre Sprunggelenke genauso vermisst wie ihre Stimmung. Der Verband muss nun binnen Wochen eine neue Lösung präsentieren, sonst droht der Leistungskern um Kevric, Pauline Schäfer und Co. ins Leere zu springen – ohne Spotter, ohne Spot.

Die Szene am Neckar war einmal Deutsch Goldkader. Jetzt ist sie wieder eine Baustelle. Und Helen Kevric? Sie trainiert provisorisch mit dem Interimsstab, während der DTB sucht. Die Athletin selbst klingt, als hätte sie schon die nächste Lektion gelernt: „Ich will nicht noch einmal vier Quartale verlieren, nur weil ein Name groß klingt.“ Ein Satz, der auch dem Verband ins Stammbuch gehört.