Heldt schlägt zurück: bayern-empörung wird zum bumerang

München – Die Lava, die der FC Bayern nach dem 1:1 in Leverkusen aus dem Schiedsrichter-Krater geschleudert hat, ist noch nicht abgekühlt. Horst Heldt wartet schon mit der nächsten Eisladung. „Wir werden die Leidtragenden sein“, sagt der Union-Boss und meint den nächsten Samstag, wenn seine Mannschaft in der Allianz Arena antreten muss. Dann nämlich sitzt Christian Dingert wieder auf dem Platzmikro – und damit der Unparteiische, den die Münchner nach dem Remis öffentlich an den Pranger gestellt hatten.

Heldt zieht die bremse: „dieses ausmaß ist unerträglich“

Heldt spricht in Sky-Talk „Triple“ mit der Stimme eines Mannes, der weiß, wie schnell sich Dampf im Kessel wieder zu seinem Nachteil verdichtet. „So ein Ausmaß. Das ist gegenüber den anderen Wettbewerbern nicht in Ordnung“, wirft er den Bayern vor, die nicht nur die Rote Karte gegen Luis Díaz angefochten, sondern auch gleich das ganze Schiedsrichter-System infrage gestellt hätten. Das Sportgericht wies den Einspruch als „unbegründet“ zurück – und ließ die Münchner mit einem blutenden Argument dastehen. „Jeder weiß, dass das eine Tatsachenentscheidung ist. Das ist nicht in Ordnung“, feuert Heldt und schickt den Ball quer durch die Pressetribüne.

Die Ironie: Auch Union musste am 26. Spieltag mit zehn Mann weiterspielen – András Schäfer sah glatt Rot gegen Bremen. „Das habt ihr wahrscheinlich gar nicht mitbekommen“, spitzt Heldt den Zeigefinger in Richtung Kameras. Er weiß, dass kleine Klubs kaum Echo erzeugen, wenn sie pfeifen. Große Klubs dagegen lassen das Referee-Tableau beben.

Matthäus und reuter halten dagegen – aber nur halb

Matthäus und reuter halten dagegen – aber nur halb

Lothar Matthäus, sonst schnell bei der Hand, wenn Bayern in Bedrängnis geraten, rudert diesmal zurück. „Ich habe nicht so viele grobe Fehlentscheidungen gesehen wie die oberste Riege des FC Bayern“, sagt der Rekordnationalspieler knapp. Stefan Reuter, einst Augsburg-Manager, versucht es diplomatischer: „Man sieht es aus der eigenen Sicht. Sie leben es.“ Was klingt wie Verständnis, ist in Wahrheit ein Seitenhieb: Wer sich so sehr in Szene setzt, verliert den objektiven Blick.

Heldt aber will mehr als Sympathiepunkte. Er fordert Verantwortung. „Sie müssen hin und wieder auch ihrer Verantwortung gerecht werden“, mahnt er und meint damit nicht nur die Bayern-Bosse, sondern die ganze Liga, die sich im Schatten der Münchner Diskussion um Schiedsrichter-Debakel verbiegt. Denn das nächste Gespann, so Heldt, „wird es nicht einfach haben“. Das klingt wie eine Warnung – und wie eine Drohung zugleich.

Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2018 haben Bayern dreimal erfolgreich Einspruch gegen Karten eingelegt, kein anderer Klub öfter. Die Quote liegt bei 100 %. Doch diesmal blieb der Erfolg aus – und mit ihm der mythos der Unantastbarkeit. Heldt lässt den Satz halten, zieht sich in die Kabine zurück und weiß: Am Samstag wird das Thermometer wieder auf 37 Grad steigen – und diesmal sind die Münchner dran, sich zu erklären.