Hecking rettet wolfsburg: der notarzt kommt zum zweiten mal

Dieter Hecking kehrt ins Chaos zurück. Der 61-Jährige übernimmt beim VfL Wolfsburg das Ruder – drei Monate, nachdem er mit Bochum abgestiegen ist. Jetzt soll er den Klub vor dem ersten Bundesliga-Abstieg seit 1986 retten.

Die Entscheidung fiel am Sonntagnachmittag, nur wenige Stunden nach der Demontage von Daniel Bauer. Der 39-Jährige musste gehen, nachdem seine Mannschaft gegen den HSV wie ein Aufsteiger-Team aussah: Ideenlos, planlos, ohne Biss. Auch Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen wurde rausgeschmissen. Die Macht liegt jetzt bei Pirmin Schwegler – und beim alten Retter.

Warum ausgerechnet hecking?

Schwegler spricht von „Ruhe, Expertise, klarer Linie“. Das klingt nach PR-Sprech, ist aber ein verzweifelter Griff nach dem letzten Strohhalm. Hecking kennt die Geschäftsführung, die Kabine, die Medien. Er war von 2013 bis 2016 Cheftrainer, holte 2015 den DFB-Pokal und wurde Vizemeister. Das war vor neun Jahren. Die Bundesliga ist schneller geworden, Wolfsburg langsamer.

Die Zahlen sind gnadenlos: Drei Niederlagen in Folge, nur 22 Punkte aus 24 Spielen, das schlechteste Torverhältnis seit 2007. Die Fans zündeten nach dem HSV-Debakel Pyrotechnik, die Spieler gingen unter Schutzschirmen in die Kabine. Ein Klub am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Hecking selbst sagt: „Ich weiß, welche Qualität in diesem Verein steckt.“ Das ist Teil seiner Standard-Ansage. Die Wahrheit: Er kennt auch die Defizite. Ein Mittelfeld ohne Durchschlagskraft, eine Abwehr, die bei Standards einknickt, ein Sturm, der seit zwölf Spielen nicht mehr von der ersten Minute traf. Die einzige Konstante: Der Druck.

Die rückkehr des verbrannten helden

Die rückkehr des verbrannten helden

Beim VfL Bochum scheiterte Hecking an derselben Mischung aus mangelnder Kaderqualität und internen Machtkämpfen. Nun soll er ausgerechnet mit demselben Kader, der ihn damals in die 2. Bundesliga schickte, den Klassenerhalt schaffen. Ironie des Fußballs: Der Absteiger wird zum Retter ernannt.

Die nächsten Wochen sind ein Zermürbungsmarsch: Dortmund, Leipzig, Leverkusen. Punkte sind Pflicht, sonst ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz weg. Hecking hat acht Spiele Zeit. Seine Methode: mehr Laufarbeit, weniger Ballbesitz, direkte Bälle auf den Sturm. Ob das reicht, entscheidet sich am 34. Spieltag – vermutlich im eigenen Stadion, wo die Fans längst nicht mehr singen, sondern pfeifen.

Ein letztes Mal will der alte Hase beweisen, dass Erfahrung zählt. Scheitert er, wird er als Symbol für ein gescheitertes System enden. Klappt es, ist er der Notarzt, der den Patienten wiederbelebt. Für Wolfsburg ist es die letzte Chance. Für Hecking vielleicht auch.