Hc erlangen stolpert knapp: leipziger sieg vermasselt den klassenerhalt

30:29 – die Ziffern brennen sich ins Bayern-Franken-Hirn. Der HC Erlangen hat sich in Leipzig blutig gekämpft, den Rückstand von sechs Toren gedreht, doch am Ende bleibt nur der Salzgeschmack einer Niederlage. Die 20-Punkte-Marke, die in der Daikin Handball-Bundesliga meist das Ticket fürs weiße Band bedeutet, rückt damit in weite Ferne.

Sellin sieht „zu spatt“ und nissen schlägt auf den tisch

Johannes Sellin, frisch gebackener Coach der Mittelfranken, sprach es offen aus: „Wir sind 60 Minuten hinterhergerannt.“ Die Zahlen lügen nicht. Zwischen der 16. und 20. Minute lag Erlangen erstmals – und gleichzeitig letztmals – vorne (9:11). Danach übernahm der SC DHfK das Kommando, stellte auf 17:13 zur Pause und baute nach Wiederanpfiff auf 27:21 aus. Die Aufholjagd kam, aber wie ein Spurt nach der Ziellinie: schön anzusehen, nutzlos für das Ergebnis.

Marek Nissen, mit elf Treffern bester Werfer, kochte nach dem Abpfiff. „Wir laden den Gegner zu einfachen Toren ein“, donnerte er in die Dyn-Mikrofone. „Zu überhastete Abschlüsse, zu viele Ballverluste – das ist Handball-Suizid auf diesem Niveau.“ Der Vergleich mit der 26:27-Heimpleite gegen Hamburg liegt nahe: wieder eine geschlossene Deckung, wieder ein Angriff, der sich selbst blockiert.

Verletzungspech setzt sellin zusätzlich zu

Verletzungspech setzt sellin zusätzlich zu

Die Personaldecke war ohnehin dünn. Tim Gömmel musste nach 13 Minuten mit einer Knieblessur runter, kurz darauf fielen weitere Leistungsträger aus. Sellin rotierte wild, doch Leipzig blieb kühl. Mario Šoštarič und Lukas Binder nutzten jeden Tempogegenstoß, Dejan Bombač erzielte in der Schlussphase zwei Lucky-Shots, die den Deckel draufmachten.

Die Tabelle lügt nicht: Erlangen bleibt bei 18 Punkten, hat nur noch vier Spielzeiten, um den Abstiegsrelegationsplatz zu verlassen. „Wir müssen mal wieder ein anderes Gesicht zeigen“, fordert Nissen. Sonst fliegt die Fränkische nächste Saison in der 2. Bundesliga rum.

Leipzig hingegen jubelt. 30:29 bedeutet Platz zwölf und die erste Serie ohne Niederlage seit Januar. Die Sachsen haben die große Druckwelle für einen Moment abgeschüttelt – und den Konkurrenten aus dem Süden tief in den Strudel geschickt.