Havertz zurück in der nationalelf: nach 18 monaten leidenszeit will er die wm erobern
Kai Havertz steht vor dem Comeback im DFB-Trikot. Nach 18 Monaten voller Verletzungen, Reha und Rückschläge sagt er: „Ich fühle mich topfit.“ Freitagabend in Basel gegen die Schweiz könnte er erstmals seit November 2024 wieder für Deutschland auflaufen – und sich damit ins WM-Renno stürzen.
Die zäsur, die alles veränderte
Die EM 2024 lief für ihn wie geschmiert: ständig in der Startelf, entscheidende Tore, Gesprächsthema quer durch Europa. Dann kam die Oberschenkelblessur, dann das Knie – und plötzlich war Havertz verschwunden. Ein Jahr ohne Länderspiel. Ein Jahr, in dem Nagelsmanns Offensive sich ohne ihn neu erfand. „Das war ein Auf und Ab für mich persönlich“, sagt er ruhig, aber mit angerissenem Ton. „Man merkt, dass man ein Jahr raus ist.“
Die Zahlen sind gnadenlos: null Pflichtspiel-Einsätze 2025, zwei Unterbrechungen in der Rückrunde, 42 Tage Zwangspause zwischen September und Oktober. Dennoch lieferte er bei Arsenal seit Januar drei Tore und eine Vorlage in nur acht Partien ab. Das reicht, um Nagelsmann aufhorchen zu lassen. Denn neben Deniz Undav und einem fraglichen Jamal Musiala ist Havertz die einzige Option, die sowohl Nine-and-a-Half als auch hängende Spitze besetzt – ein Flick-System ohne Flick.

Nagelsmanns letzter casting-tag rückt näher
Die Testspiele gegen Schweiz und Ghana sind keine Freundschaftsspiele mehr, sie sind Schau-Inszenierungen. In der zweiten Maiwoche fällt die Entscheidung, wer nach Nordamerika fliegt. Nagelsmann warnte bereits: „Es gibt Entscheidungen, die werden auf wenig Verständnis stoßen.“ Der Bundestrainer will einen 26-Mann-Kader, muss aber auch auf mögliche Nachnominierte im Juni vorbauen. Havertz weiß das. „Ich hoffe, wenn es aufs Turnier zugeht, vorneweg zu marschieren“, sagt er und lächelt dabei nicht.
Dabei spielt seine Position eine Nebenrolle. Ob Zehner, False Nine oder klassische Spitze: „Mir ist das fast egal. Ich fühle mich offensiv auf fast allen Positionen sehr wohl.“ Das klingt nach Anpassungskünstler, ist aber Realismus. Ohne Musiala fehlt dribbelnde Puste, ohne Wirtz fehlt letzte Passgenauigkeit. Havertz kann beides ersetzen – nicht auf Weltklasse-Niveau, aber auf einem Niveau, das Turniere stabilisiert.

Die politische frage und seine antwort
Die WM findet statt, während Donald Trump Amerika autokratisch umformt. Havertz weicht nicht aus, er lehnt ab: „Wir fahren hin, um eine gute WM zu spielen. Ich spiele Fußball, um Menschen zu verbinden.“ Klingt nach PR-Sprech, ist aber schlau. Jeder Kommentar würde ablenken, jede Polarisierung würde ihn treffen – und er will geschont werden. Die Verbandsspitze atmet auf. Sponsoren auch.
Am Dienstag fehlte er im Training, am Mittwoch schon wieder mit der Mannschaft. Belastungssteuerung nennt das der DFB. Havertz nennt es „notwendige Vorsicht“. Sein Körper sei „nicht mehr der jüngste“, sagt der 26-Jährige und klingt dabei 34. Die Uhr tickt. In 82 Tagen beginnt das Turnier in Chicago gegen Curaçao. Wer bis dahin nicht fit ist, fliegt später nach – oder gar nicht.
Die Botschaft ist klar: Havertz will zurück, aber nicht um jeden Preis. Er weiß, dass ein weiterer Rückschlag nicht nur die WM kosten könnte, sondern auch seinen Platz bei Arsenal. Und so steht er in Basel bereit, nicht als Superstar, sondern als Außenseiter mit Namen. Das reicht, um ein ganzes Land wieder anzufeuern. Denn wenn er trifft, schlägt Deutschlands Herz wieder schneller – und die Leidenszeit wäre endlich nur noch eine Nummer in der Statistik.
