Havertz rettet arsenal in der 91. minute – aber der kapitän schreit alarm
Kai Havertz traf in Lissabon in der Nachspielzeit, riss die Arme hoch und schrie sich die Seele aus dem Leib. 1:0 bei Sporting, Halbfinale in Reichweite. Doch statt zu jubeln, sprach er von „Arbeit“ und „noch nichts gewonnen“. Die Euphorie hielt sich in Grenzen – und das ist kein Zufall.
Arteta lobt, havertz bremst
Mikel Arteta umarmte seinen Joker, pustete die Backen auf und nannte ihn „Killer für große Momente“. Die Statistik stimmt: Havertz’ Tor war das fünfte in seinen letzten sechs Pflichtspielen, drei davon fielen nach der 85. Minute. Doch der 26-Jährige blieb auf dem Rasen von Estádio José Alvalade nüchtern: „Ein Tor reicht nicht, um eine Saison zu retten.“ Der Verweis auf das Rückspiel am 15. April klang wie ein Kommando. Arsenal hat die letzten beiden Partien verloren, das FA-Aus in Southampton steckt noch in den Knochen. Wer jetzt auf die Bremse tritt, fliegt, das wissen selbst die Fans, die bis 2:15 Uhr Ortszeit sangen.
Die Zahlen bestätigen die Warnung: In den letzten zehn Jahren schied kein englischer Klub aus, der das Hinspiel in der K.-o.-Phase 1:0 gewann – wenn das Tor außerhalb der eigenen Arena fiel. Die Auswärtsführung ist ein Vorteil, kein Ticket. Sporting war in der Liga zuletzt sieglos, wird in London aber auf Bühne stehen. Ricardo Esgaio und Jerry St. Juste fehlten verletzt, könnten zurückkehren. Arsenal wiederum muss auf Takehiro Tomiyasu verzichten, Declan Rice laboriert an der Hüfte. Die Physiotherapeuten haben Arbeit, die Startelf wird rotieren.

Die sieben wochen, die alles entscheiden
Havertz sprach von „sieben Wochen, in denen wir große Titel gewinnen können“. Gemeint sind Premier League, Champions League und vielleicht noch das Pokalfinale. Der Zeitplan ist brutal: zwölf Partien in 46 Tagen, davon vier gegen Manchester City, Chelsea und Bayern. Die Belastung steigt, die Kaderplanung läuft auf Hochtouren. Sportchef Edu Gaspar flog direkt aus Lissabon nach Barcelona, um den Deal mit Athletic-Goalie Julen Agirrezabala voranzutreiben – ein klares Signal: Keiner darf sich ausruhen.
Am Ende der Nacht stand Havertz noch am Rand des Rasens, ein Kind reichte ihm ein Arsenal-Tuch. Er unterschrieb, lächelte kurz, verschwand dann schnell im Katakombengang. Die Fans sangen weiter, doch der Deutsche hatte schon das nächste Spiel im Kopf. Wer jetzt feiert, hat am Dienstag verloren – das weiß auch Arteta. In London wird nicht gefeiert, sondern gearbeitet. Die Uhr tickt. Die sieben Wochen beginnen jetzt.
