Havertz rettet arsenal in letzter sekunde – doch der dämpfer folgt sofort
Kai Havertz, 26, eiskalt im Estádio José Alvalade: Sein Hackentor in der ersten Minute der Nachspielzeit schießt Arsenal auf Halbfinale-Kurs. Die Gunners jubeln, Mikel Arteta umarmt seinen Joker – und dann kommt der Satz, der die Euphorie sofort kühlt.

„Wir haben noch eine menge arbeit vor uns“
Genau das sagt Havertz, noch nass vom Regen, noch mit Gänsehaut, nachdem er die 70. Minute gewartet hatte, um Sporting Lissabon auszuknocken. 1:0, Hinspiel gewonnen, Platz im Halbfinallos gezogen – und der deutsche Nationalstürmer redet schon vom Rückspiel. „Es sind noch sieben Wochen, wir können große Titel holen“, sagt er, als wäre das 90.+1 nur ein Zwischenschritt. Dabei war es das erste Tor nach seiner Leistenverletzung, das erste Signal, dass er wieder in der Lage ist, Spiele zu drehen.
Die Zahl, die ihm keiner ausreden kann: 14. Arsenal hat in dieser Saison 14 Pflichtspiele in der Nachspielzeit entschieden – mehr als jedes andere europäische Top-Team. Das ist kein Zufall, das ist ein Plan. Arteta nennt es „game management“, Havertz nennt es „Liebe zu entscheidenden Momenten“. Beide wissen: In der Premier League führt Arsenal die Tabelle an, in der Champions League jagt der Klub den ersten Henkelpott seiner 138-jährigen Geschichte. Das Rückspiel am 15. April um 21 Uhr im Emirates ist bereits ausverkauft, 60.000 wollen sehen, ob Havertz wieder die Klinge zieht.
Die Ironie: Vor einer Woche noch war Arsenal im FA Cup beim Zweitligisten Southampton auf die Schnauze geflogen. Jetzt der Doppelschlag: Sieg in Lissabon, Tabellenführung in England, und alles sollte rosa sein. Doch Havertz kennt die britische Presse. Er weiß, dass eine Woche ohne Niederlage schon als Trend verkauft wird. Deshalb der Dämpfer. Deshalb der Satz über die Arbeit. Weil er weiß, dass Sporting in London nur ein Tor braucht, um die Gunners in die Bredouille zu bringen.
Die Statistik, die keiner feiert: Havertz traf in seinen letzten fünf Europapokal-Einsätzen viermal – dreimal nach Einwechslung. Er ist der Joker, den Arteta seit Wochen auf der Bank liebt, weil er in den letzten 20 Minuten die Räume sieht, die anderen nur laufen. Gegen Sporting war es ein Lupfer mit der Hacke, ein Tor, das man in 100 Versuchen vielleicht neunmal macht. Das zehnte Mal war gestern. Das nächste Mal ist in sieben Tagen. Dann will Havertz nicht nur jubeln – dann will er endlich die Euphorie erlauben.
