Hartberg schlägt zurück: mit 1,57 punkten pro spiel ins meister-tableau

Die Oststeirer schreiben keine Fußball-Märchen mehr, sie liefern ein Lehrstück. Mit 24 Gegentoren, einer Heimserie ohne eigenes Stadion und einem Punkteschnitt, der selbst Salzburg alt ausschauen lässt, hat der TSV Hartberg den Grunddurchgang auf Platz sechs beendet – und damit zum dritten Mal die Meistergruppe erreicht.

Manfred Schmid ist kein Zauberer, nur konsequent. Sein 5-3-2 presst wie ein Schraubstock, lässt selbst die Großklubs erstarren. „Du spielst gegen 14, 15 Leute“, sagte Salzburg-Keeper Alexander Schlager nach dem 0:0 in Hartberg. Die Zahl lügt nicht: die zweitbeste Defensive der Liga steht wie ein Betonklotz vor Tom Ritzy Hülsmann, der in 20 Spielen 21-mal hinter sich greifen musste – Liga-Bestwert.

Die wende heißt elias havel

Zehn Liga-Tore, drei Pokaltreffer, erste Nationalteam-Rufe. Die LASK-Leihgabe war lange verletzt, jetzt ist er der beste österreichische Stürmer des Herbstes. Hartberg besitzt eine Kaufoption im sechsstelligen Bereich – für einen Klub, der bis Runde 14 auswärts im Stadion der Südstadt spielte, ein Kraftakt. Die Einnahme dürfte aus dem Österreicher-Topf fließen, der nach der Abrechnungsperiode erneut einen mittleren sechsstelligen Betrag verspricht.

Hinten Schmids Block, vorne Havels Läufer – dazwischen ragt Lukas Spendlhofer auf. Der 32-jährige Innenverteidiger kam als Notnagel, liefert mit einer kicker-Note von 2,82 die zweitbeste Saisonleistung des gesamten Kaders. In Hartberg nennt man so etwas „Spendlhofer-Effekt“: ein Abwehrrechen, der den Gegner in die Zweikampffalle lockt.

Geld regiert nicht immer

Geld regiert nicht immer

Während andere mit Millionen-Transfers wedeln, leiht Hartberg Talente wie Dominic Vincze (Rapid) oder Maximilian Henning (Bayern II) und verleiht ihnen Spielzeit. Konstantin Schopp (Mainz) gesellt sich im Winter dazu. Die Devise lautet: jung, österreichisch, hungrig. Und das funktioniert: sieben Mal hielt Hülsmann zu Null, nur einmal sah er Rot – wegen einer Notbremse, die den Punkt rettete.

Die einzige Delle im Schild? Das 3:3 in Linz. Hartberg führte beim LASK bis Minute 89 mit 3:0, kassierte dann drei Gegentore. Kapitän Jürgen Heil, fünf Minuten vor Schluss ausgewechselt, tobte im Sky-Mikro: „Gemma ins Freibad und kicken dort ein bissl – da ist es wurscht, wenn wir verlieren.“ Der Spruch ging viral, die Moral blieb intakt.

Ende November kehrte Hartberg ins PROfertil ARENA zurück – 2:0 gegen Ried, Jubel ohne Ende. Seitdem ist die Heimstätte eine Festung, die Punkteausbeute steigt, der Traum lebt. Nächste Station: Meistergruppe. Dort wartet wieder Salzburg, wieder ein 5-3-2, wieder 90 Minuten Beton. Die Oststeirer haben nichts zu verschenken – nur noch ein paar Plätze nach oben zu klettern.