Vladi ballt die faust: zweimal doppelpack, einmal befreit
Shkelqim Vladi lacht nicht mehr hinterher, er trifft. Vier Treffer in zwei Spielen katapultieren den 25-Jährigen aus dem St.-Gallen-Exil direkt in die Aarauer Heldenrolle – und endlich wieder in die Torschützenliste der Challenge League.
Von der leihbank zum liebling
Die Zahlen sind schonungslos: Kein einziger Ligatreffer in 16 Partien für den FC St. Gallen, dafür zwei Doppelpacks binnen 180 Minuten für den FC Aarau. „Ich bin praktisch für alle einfach der Vladi“, sagt er und klingt dabei nicht arrogant, sondern erleichtert. Endlich wieder der Vladi, der in Thun einst für Furore sorgte, statt der Vladi, der in St. Gallen nur warmlief.
Die Mechanik des Fußballs ist gnadenlos. Ein Stürmer, der nicht trifft, rutscht in die Zweitwahl, egal wie hart er trainiert. In St. Gallen saß Vladi hinter Itten, Steffen und Duah auf der Bank, kam mal für zehn Minuten, mal für fünf. „Meine Sturmkollegen trafen regelmäßig, was es für mich nicht einfacher machte“, sagt er rückblickend. Die Abwägung: Laufbahn bremsen oder Neuanfang wagen? Die Antwort folgte im Winter – mit Abstieg in die Challenge League, dafür aber mit Startelfgarantie.

Der trainer, der ihn wollte, und das system, das passt
Bei Aarau wartete kein Gnadenplatz, sondern ein Konzept. Trainer Marco Walker suchte einen mobilen Neuner, der in die Tiefe sprintet, Räume öffnet und abschließt – kurz: Vladi. „Ein Trainer, der mich will. Das habe ich hier gespürt“, sagt der Angreifer. Die Statistik bestätigt: 418 Minuten, vier Tore, eine Torbeteiligung alle 70 Minuten. Die Effizienz ist Liga-Spitze.
Gegen Rapperswil-Jona schlug er in der 58. Minute das 2:1, in der 89. Minute das 4:2. Eine Woche später traf er gegen Etoile Carouge in der 13. und 79. Minute – das 1:0 und das 3:1. Die Fans skandierten seinen Namen, die Teamkollegen überschütteten ihn mit Eiswasser. Vladi ballte die Faust, nicht aus Revanche, sondern aus Befreiung.

Die rechnung geht für alle auf
Der FC Aarau rückt auf Tabellenplatz zwei vor, die Aufstiegsreise bleibt realistisch. Der FC St. Gallen spart die Leihgebühr und schickt einen motivierten Profi zurück, soll Aarau die Kaufoption ziehen. Und Vladi? Er parkte die Frustmonate ab, spricht wieder von „Zielen statt Zweifeln“ und träumt laut vom Aufstieg. Die Challenge League ist kein Abstellgleis, sondern seine persönliche Rückkehrstrecke in die Super League.
Am Samstag gastiert Aarau in Wil. Vladi schaut nicht auf die Anzeigetafel, sondern auf den Ball. Er weiß: Trifft er wieder doppelt, redet nicht mehr über St. Gallen, sondern über die Zukunft. Und die beginnt, während andere noch über die Vergangenheit hadern.
