Harry maguire ringt justiz in athen nieder: haftstrafe gesenkt, makel bleibt

Sechs Jahre nach der Schlägerei von Mykonos hat Harry Maguire sein letztes Gerichtsdrama überstanden – doch die Zahlen lügen nicht: 15 Monate auf Bewährung, ein Drittel weniger als ursprünglich, aber immer noch ein Eintrag im Führungszeugnis des teuersten Innenverteidigers der Premier-League-Geschichte.

Warum der prozess so lange auf eis lag

Warum der prozess so lange auf eis lag

2020 knallte es im Nachtclub «Bonbonniere», Polizisten wurden laut Staatsanwaltschaft getreten, Bestechungsversuche folgten, Maguire landete für zwei Nächte in Zelle 2 des Präsidiums auf Syros. Was danach geschah, ist ein Verfahrensmarathon, der selbst griechische Juristen ratlos machte: Verteidiger beantragten Beweisverwertungsverbote, Zeugen zogen ihre Aussagen zurück, pandemiebedingte Verlegungen wirbelten den Kalender durcheinander. Ergebnis: vier Ladungsmuffel-Termine zwischen 2023 und 2025, alle vertagt. Athens Appeals Court hob jetzt die 21-Monats-Strafe auf, liesse sich aber nicht dazu breitschlagen, den Vorwurf der «gewerbsmässigen Körperverletzung» komplett fallen zu lassen – ein Kompromiss, der niemanden glücklich macht.

Der 32-jährige United-Kapitän reagierte mit der knappen Stellungnahme, man «respektiere das Urteil», doch in der Kabine von Carrington wissen Spieler und Staff, dass jedes Auswärtsspiel in Europa fortan mit einem «Will er überhaupt einreisen?»-Flüstern beginnt. Denn die Bewährungszeit läuft noch bis August 2027 – pikant, wenn Manchester United in den kommenden Jahren nach Athen reist oder Griechenland als möglicher EM-Gastgeber ins Gespräch kommt.

Die Reduktion auf 15 Monate mag nach juristischem Kleingeld klingen, für Maguire ist sie ein Pyrrhussieg. Seine 64 Länderspiel-Einsätze wurden seit dem Vorfall bereits von 18 auf 8 reduziert, die Marktwertkurve fiel um 50 Millionen Euro. Und während Gareth Southgate öffentlich die «Unschuldsvermutung» bemühte, blieb der Innenverteidiger in den wichtigen Turnieren 2022 und 2024 außen vor. Die Botschaft ist klar: Selbst ein reduziertes Urteil ist in der Hochglanzwelt des Topfußballs ein Fleck, der nicht mehr rausgeht.

Der griechische Klub, der die Anzeige erstattet hatte, zeigte sich nach dem Urteil «zufrieden, dass die Justiz ihre Härte bewahrt hat». Maguires Anwalt Alexis Anagnostakis kündigte bereits an, die Revision prüfen zu wollen – ein Echo, das bis nach Manchester drohnt. Am Ende steht ein Innenverteidiger, der auf dem Platz für Stabilität steht, privat aber weiter mit der Instabilität eines offenen Verfahrens leben muss. Die nächste Flugbuchung nach Athen wird er wohl wieder mit leichtem Bauchgefühl tätigen.