Hannover 96 patzt spektakulär – fürth rast aus dem keller

Hannover 96 hat sich selbst in die Parade gefahren. Die Niedersachsen verloren vor 49.000 Zuschauern gegen die bis dato größte Negativ-Attraktion der Liga, kassierten beim 1:2 gegen Greuther Fürth die dritte Heimniederlage binnen fünf Wochen und müssen nun wieder an die Relegungsplätze denken.

Christian titz’ team findet keine antwort auf den kleeblatt-bluff

Was für eine Ironie: Wer erwartet hatte, dass die abstiegsbedrohten Franken sich in der HDI-Arena verstecken, sah das Gegenteil. Die Elf von Heiko Vogel trat mit einer Mischung aus Körpersprache und Kurzpassspiel auf, die Hannover schlicht verunsicherte. „Wir haben ihnen den Schneid abgekauft“, sagte ein sichtlich mitgenommener Enzo Leopold nach Abpfiff. Der Kapitän selbst biss sich 17 Minuten vor dem Ende vom Punkt auf die Zähne – Keeper Andreas Linde entschärfte den strammen Schuss aus zwölf Metern.

Die Szenerie nach 33 Minuten beschreibt den Abend besser als jede Statistik. Noel Futkeu umkurvte Phil Neumann mit einem zackigen Drop-Shoulder, dreht sich in Richtung Tor und donnert die Kugel unter die Latte. Die Arena verstummt, Fürths Bank explodiert. Es war erst der zweite Auswärtstreffer des 22-Jährigen in dieser Spielzeit – und er kam genau im richtigen Moment.

Hannover antwortete mit dem typischen Aufbäumen der Favoriten: Maurice Neubauer nutzte eine abgefälschte Hereingabe von Lee Hyun-ju fünf Minuten nach Wiederbeginn. Doch die Hoffnung währte nur sieben Minuten. Jannik Dehm, bislang eher für seine Defensivarbeit bekannt, schob nach Ecke von Branimir Hrgota ein, weil niemand auf der rechten Seite aufräumte. „Wir haben uns wie ein Aufsteiger verhalten, nicht wie ein Aufstiegskandidat“, sagte Titz und sprach damit aus, was viele Anhänger dachten.

Die zahlen, die vogel jubeln lassen

Die zahlen, die vogel jubeln lassen

Die SpVgg springt durch den Dreier von Platz 18 auf 16 und hat plötzlich Kontakt zum rettenden Ufer. Fürth erzielte in den letzten drei Partien sieben Tore – so viele wie in den 13 Spielen zuvor zusammen. Die Effizienz steigt, das Selbstvertrauen auch. „Wir haben gezeigt, dass man uns nicht auf die Karte setzen darf“, sagte Vogel, der seit Amtsübernahme fünf Punkte aus drei Spielen holt.

Hannover dagegen steht erstmals seit Spieltag vier wieder bei 41 Punkten. Die Lücke zu Fortuna Düsseldorf auf Platz drei beträgt weiter vier Zähler, doch das Gefühl der Verwundbarkeit ist zurück. „Wir müssen jetzt abliefern, sonst wird es eng“, mahnte Titz. Am Sonntag geht’s nach Kiel, wo die nächste Niederlage die Roten ganz nah an die Abstiegszone heranbringen würde. Die Meisterfrage ist längst offen – und plötzlich steht auch die eigene Teilnahme am Aufstiegs-Endspiel auf dem Prüfstand.