Recktenwald zittert sich ins paralympics-glück – bronze nach herzschlagfinale

Ein letzter Schuss, ein Ruck, dann bricht sie zusammen: Johanna Recktenwald trifft, fasst sich an den Helm und weiß – Bronze ist drin. Die Saarländerin holt im Einzelrennen der sehbeeinträchtigten Frauen die erste deutsche Medaille im Para-Biathlon von Cortina 2026.

Null fehler, 100 prozent nerven

12,5 km, vier Schießeinlagen, kein einziger Fehlschuss. Das klingt nach Routine, war aber ein Krimi. Nach 3,5 km Rückstand auf Spitzenreiterin Wang aus China schraubt Recktenwald mit Guide Emily Weiss das Tempo hoch, bleibt am Stand kalt und räumt 20 von 20 Scheiben ab. Die Konkurrentin Walter verabschiedet sich mit zwei Fehlern früh aus dem Podest-Rennen, Linn Kazmeier fehlt auf der Loipe die Spritze – am Ende 6:30 Minuten Rückstand.

Der schuss, der alles entscheidet

Der schuss, der alles entscheidet

Beim letzten Anschlag zittert Recktenwalds Gewehr. Die Zielscheibe piept, der Ton steigt – Treffer. «Ich hab nur gedacht: Bitte nichts rühren», sagt sie später mit Tränen in den Augen. Die 24-Jährige, die nur 2-3 Prozent Sehkraft besitzt, verwandelt den Druck in eine 220er-Pulskurve und läuft 2:02 Minuten hinter Wang und 18 Sekunden hinter Bubenickova durchs Ziel. Silber schien möglich, als die Tschechin ihre erste Strafminute kassiert, doch die setzt auf der Schlussrunde noch einen Schlussspurt.

Der deutschen männer fehlt die munition

Der deutschen männer fehlt die munition

Während die Damen jubeln, bleiben die Herren blass. Gesamtweltcupsieger Nico Messinger versenkt nur 15 von 20 Scheiben und wird Achter. Lennart Volkert rutscht mit sieben Fehlern auf Platz zehn. Gold geht an den chinesischen Sharpshooter Hesong Dang – ohne Fehler, ohne Gnade.

Was das bedeutet

Was das bedeutet

Für Recktenwald ist die Bronze mehr als Edelmetall – es ist die Quittung für einen Winter, in dem sie erstmals den Gesamtweltcup gewann. Mit der Langlauf-Staffel steht jetzt die nächste Medaillen-Chance an. Die deutsche Delegation zieht mit einem Ausrufezeichen ins zweite Drittel der Spiele – und Sportschau-Livestreams vermelden Reklickzahlen. Die Message: Wer trifft, gewinnt. Wer zittert, wird trotdem belohnt – wenn er sich traut.