Handball360 startet durch: dhb zieht alle register für digitale revolution
Der Deutsche Handballbund schaltet einen Gang höher. Seit Anfang März testen mehr als 500 Piloten aus allen Landesverbänden das neue Verbandsmanagementsystem Handball360 – und das mit echten Daten. Die Botschaft aus der DHB-Zentrale klingt wie ein Kampfkommando: Wir sind im Zeitplan, wir sind entschlossen, wir sind bereit.
Spanische technologie trifft deutsche handball-seele
Clemente Sierra, Gesellschafter der spanischen Softwareschmiede Toools, pendelt seit Wochen zwischen Madrid und Deutschland. In der DHB-Geschäftsstelle stürzen sich Mitarbeiter auf ihn, wollen Details, wollen Lösungen, wollen wissen, wie das neue Tool tickt. „Wir passen das System in Echtzeit an“, sagt Sierra. „Melden Piloten eine Unstimmigkeit, fließt die Korrektur binnen 48 Stunden ins System.“
Die Devise lautet: Keine halben Sachen. Die erste Phase der Datenmigration steht kurz vor dem Abschluss, das Frontend für Website und App wird parallel entwickelt. Die Bestandssysteme, jahrelang verlässliche Partner, gehen in Rente. Ihr Nachfolger muss mehr leisten: Wettkämpfe, Lizenzen, Statistiken, Administration – alles aus einer Hand.

Der sommer wird heiß – und das ist gut so
Dr. Klaus Berding, Vorstand Finanzen und Recht, nimmt kein Blatt vor den Mund: „Es wird ein anstrengender Sommer für alle.“ Die Umstellung vor Saisonstart 2026/27 sei ein Kraftakt, aber alternativlos. Denn nur mit einer einheitlichen Software lässt sich der deutsche Handball digital aufschließen. Die Vereine sind gefragt: Jetzt heißt es Daten bereinigen, Fotos aktualisieren, E-Mail-Adressen verifizieren.
Die große Unbekannte heißt Handball-ID. Jede Funktionärin, jeder Spieler, jede Trainerin muss sich neu registrieren oder bestehende Daten abgleichen. Für den Einzelnen ein Klick, für die Vereine ein Marathon. Der DHB will die Kommunikation massiv unterstützen – mit Online-Kursen, Videos, Schulungsplattformen. Die Botschaft: Wir ziehen an einem Strang.
Quentin Münch, Manager Handball360 & Spielbetrieb, blickt nach vorn: „Wir bauen das Wissen der Piloten ins System ein.“ Die Expertinnen und Experten aus den Landesverbänden arbeiten seit Sommer 2025 mit dem spanischen Original, passen es an deutsche Verhältnisse an. Das Ergebnis: ein Tool, das Behördengänge ersetzt, Papierstapel reduziert und Kommunikation beschleunigt.
Am 28. März entscheidet der Bundesrat endgültig über den Saisonstart 2026/27. Bis dahin laufen die Demo-Days, an denen Landesverbandspräsidenten und Geschäftsführer das System in Aktion erleben. Sierra zeigt sich beeindruckt: „Ihr seid die Nummer eins im Handball. Für diese Aufgabe ausgewählt zu werden, war ein Karrierehöhepunkt.“
Die Pilotphase ist in drei Blöcke aufgeteilt: Wettbewerbe, Registrierung, Administration. Die Messlatte liegt hoch, die Erwartungen ebenso. Aber die Zeichen stehen auf Sturm. Der deutsche Handball wirbelt auf – und das mitten in der Übergangsphase. Wer jetzt noch zögert, wird abgehängt. Die Digitalisierung wartet nicht. Sie läuft schon.
