Gravina schießt vor dem absturz des italienischen fußballs durch!
Rom – Gabriele Gravina, der scheidende Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC), wird nicht stillschweigend in den Ruhestand verabschiedet. Stattdessen plant er, alle Verantwortlichen für den desaströsen Zustand des italienischen Fußballs zur Rechenschaft zu ziehen. Ein Schachzug, der die ohnehin angespannte Situation weiter eskaliert.
Die abrechnung steht bevor: gravinas strategie
Nachdem die Debatte um seine Nachfolge verebbt ist, scheint Gravina nun entschlossen, die Karten auf den Tisch zu legen. Er will Klarheit schaffen und aufzeigen, dass viele Entscheidungen, die ihm nun von einem Großteil der italienischen Öffentlichkeit vorgeworfen werden, auf den Verantwortlichkeiten anderer beruhen. Die Tage nach dem traumatischen Spiel in Zenica waren schwer, aber Gravina empfand die vermeintliche Heuchelei als besonders belastend.
Der geplante Auftritt vor dem Sportausschuss der Camera, der kurzfristig abgesagt wurde, lässt vermuten, dass die eigentliche Krise des italienischen Fußballs nicht im Fokus der Anhörung stand. Stattdessen deutet alles darauf hin, dass Gravina die Gelegenheit nutzen wollte, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Eine umfangreiche Stellungnahme, die er vorbereitet hatte, soll nun veröffentlicht werden.
Ein Blick hinter die Kulissen: Politische Einflüsse und europäische Vorgaben
Die Stellungnahme Gravinas soll aufzeigen, wie bestimmte Probleme im Fußball auf politische Entscheidungen oder deren Fehlen zurückzuführen sind. Bereits nach dem Ausscheiden aus der WM hatte er betont, dass eine tiefgreifende Reflexion notwendig sei, die nicht allein der Verband tragen könne. Er fragte rhetorisch, ob die Politik überhaupt Maßnahmen ergriffen habe, um das Wachstum des Fußballs zu fördern.
Ein zentraler Punkt ist die Frage der sogenannten „italienischen Quote“. Gravina weist darauf hin, dass eine Beschränkung der ausländischen Spieler gegen die europäische Richtlinie zur freien Arbeitskraftbewegung verstößt. Diese Regelung gilt nicht nur für die Serie A, sondern auch für die Jugendabteilungen. Blatter hatte einst versucht, mit der Regelung „6+5“ eine Lösung zu finden, doch diese wurde von der Europäischen Union abgelehnt. Der aktuelle Fall Diarra zeigt, dass die Situation sich nicht verbessert hat, sondern sogar noch komplexer geworden ist.
Gravina wundert sich, warum Politiker, die diese Regelungen kennen sollten, nun eine Mindestanzahl junger italienischer Spieler fordern. Und wenn sie diese kennen, warum haben sie dann nicht früher gehandelt, um sie zu ändern?

Stadien, nachwuchs und die verteilung der gelder
Auch bei den Stadien hat Gravina kein gutes Wort übrig. Er wird dem interinstitutionellen Ausschuss für Euro 2032 zur Rechenschaft ziehen, der vor drei Jahren eingerichtet, aber faktisch aufgelöst wurde. Besonders kritisch sieht er die verzögerte Ernennung des Sonderbeauftragten Massimo Sessa.
Darüber hinaus beklagt Gravina, dass die Regierung keine Finanzierung für die Europameisterschaft 2032 bereitgestellt habe, obwohl Mittel bereits vom Finanzministerium zugesagt wurden. Der Überschuss an Steuern, den die Vereine zahlen, wurde nicht innerhalb der Verbände verteilt, sondern den Mittelmeerspielen und den Olympischen Spielen zugewiesen.
Verpasste Chancen: Vincolo Sportivo und Wettsteuer
Gravina bedauert das Ausbleiben bestimmter Maßnahmen, die die FIGC angeregt hatte. Dazu gehört die Wiedereinführung des „Vincolo Sportivo“, der es Vereinen erschwert, junge Talente kostenlos abzuwerben. Die fehlende Wettsteuer, die 1 bis 3 Prozent der Einnahmen aus Wetten in den Fußball fließen würde, ist ein weiteres Ärgernis. Diese Mittel könnten für Jugendförderung und Infrastrukturprojekte verwendet werden. Auch die Verlängerung des Steuerkreditgesetzes, das den Fußball einst wiederbelebt hat, wird vermisst.
Gravina hat nun den Wunsch, alles offen zulegen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob er dabei erfolgreich sein wird und ob seine Abrechnung tatsächlich zu einer positiven Veränderung im italienischen Fußball führen kann.
