Gout gout, 18, läuft wie bolt und spricht wie ein veteran: heute startet er in melbourne

18 Jahre, 20,02 Sekunden über 200 m, und ein Vorname, der wie ein Schicksal klingt: Gout Gout. Heute Abend tritt der Australier beim Maurie Plant Meet in Melbourne erstmals in dieser Saison gegen Lachie Kennedy an – und die Zeit stoppt nicht nur im Stadion, sondern auch in den Köpfen der Sprintwelt.

Der Junge mit dem Bolt-Gang

Wer ihn zum ersten Mal sehen will, ahnt nicht, dass er schon Geschichte geschrieben hat. Mit 16 lief er 20,04 s, schneller als Peter Norman 1968 in Mexiko, schneller als Bolt in seinem Alter. Die Videoclips seiner Rennen zeigen eine aufrechte Haltung, lange Schritte, eine Schulterrollung nach dem Zieleinlauf – ein déjà-vu für alle, die Jamaikas gelben Blitz vermissen.

Sein name ist ein tippfehler – sein talent nicht

Die Eltern Bona und Mónica flohen aus dem Sudan, landeten in Kairo, dann in Brisbane. Das sudanesische Konsulat vertippte sich bei der Geburtsurkunde: Guot wurde Gout. Der Sohn nahm den Fehler mit, machte ihn zur Marke. Adidas unterschrieb ihn im Oktober 2024, noch bevor er die High-School verließ. Der Vertrag bleibt geheim, doch Insider sprechen von einem Siebenstunden-Deal – mehr als manche Bundesliga-Kicker verdienen.

Mehr Gewichte, mehr Wiederholungen, mehr Profi

Schulabschluss bedeutet für Gout kein Ende, sondern eine Öffnung. „Ich kann endlich zweimal täglich auf die Bahn, statt nach dem Training Hausaufgaben zu machen“, sagte er gestern in Melbourne. Kraftzimmer statt Klassenzimmer. Keine 10 x 150 m mehr mit schlechtem Gefühl, weil die Chemie-Klausur wartet, sondern 12 x 200 m mit Wettkampfgefühl. Die Zeiten 10,00 s und 20,02 s sind offiziell, doch seine Wind-beeinflussten 9,99 s und 19,84 s zeigen: Noch ist Luft nach oben, oder besser: noch ist Wind nach vorn.

Kennedy kennt den rivalen – und seine startphase

Kennedy kennt den rivalen – und seine startphase

Lachie Kennedy, 24, startet wie ein Gewehr, laut Statistik die beste Reaktion im Feld. Gout weiß das. „Ich muss die ersten 30 Meter mitgehen, sonst schaut er mir von vorne in die Kamera.“ Die Wette: Wer unter 20,20 bleibt, bekommt die Form-Auszeichnung des australischen Winters. Für Gout wäre das ein lockerer Trainingstag, für Kennedy eine Saisonbestleistung. Der Clou: Beide laufen in derselben Startgruppe, Bahn 4 und 5, direkter Vergleich ohne Handicap.

Die Uhr tickt lauter als der Startpistolenschuss

In 13 Monaten stehen die Olympischen Spiele in Los Angeles auf dem Programm. Die australische 4 x 100 m-Staffel fehlt seit 2000 im Finale. Athletics Australia hat Gout bereits in das Projekt „Sub 38“ eingekauft: vier Läufer, die zusammen unter 38 Sekunden bleiben sollen. Die letzte australische Medaille im Sprint? Silber 1956. Gout war minus 52 Jahre alt.

Um 19:45 australischer Zeit geht er in die Blöcke. Wer zählt, wird merken: Die Stoppuhr beginnt bei null – Gout Gout aber bei unendlich vielen Erwartungen. Und wenn er durchs Ziel rast, wird der Name, der einst aus Versehen entstand, endgültig Programm sein: Gout = Geschwindigkeit. Punkt.