Golla und knorr stellen sich hinter gislason – dhb-star-trio vor verlängerungsreifer zukunft

Kein Knick, kein Krisengipfel, kein Machtwort – nur zwei Siege und ein Statement, das alles andere überlagert. Nach dem 34:33 gegen Ägypten in Bremen liefern Johannes Golla und Juri Knorr die emotionale Jobgarantie für Alfred Gislason. Keine offizielle Vertragsverlängerung, aber eine Kampfansage an die Zweifler: Diese Mannschaft will ihren Bundestrainer behalten.

Golla sieht reife statt rückschläge

„Wir haben zwei Spiele mit durchwachsener Leistung gewonnen – das ist früher anders ausgegangen“, sagt der Kapitän und lacht kurz. Dabei war der Sieg am Sonntag kein Schönwetterspiel, sondern ein Zitterschluss, in dem Deutschland zwei Siebenmeter in Folge vergab und trotzdem die Oberhand behielt. Golla nennt das „ein anderes Selbstverständnis“, und meint damit: Wir finden Wege, auch wenn das Handball-Kosmos kurz zu kippen droht.

Der 27-Jährige zählt auf, was unter dem Isländer lief: Debüts von sieben Spielern, erste Schritte auf Weltklasse-Niveau, ein Kader mit Schnittstelle zwischen Erfahrung und Jugend. „Viele Trainer reden von Prozessen, bei Alfred sehe ich täglich, wo die Reise hingeht“, sagt Golla. Dass der Vertrag des 64-Jährigen nach der Heim-WM 2027 ausläuft, sei „keine Tagesordnung in der Kabine“. Stattdessen: „Wir holen das Maximum raus – dann holen sich die Verantwortlichen ihr Maximum raus.“

Knorr schickt familienbrief an den verband

Knorr schickt familienbrief an den verband

Juri Knorr redet langsamer, fast wie in Zeitlupe. Der Spielmacher ist 24, wirkt auf dem Feld aber schon lange wie ein Urgestein. „Ich kenne nur Alfred als Bundestrainer“, sagt er und streicht sich die Haare aus der Stirn. Dann folgt ein Satz, der klingt, als hätte ihn Knorr vorher auf dem Hotelzimmer zehn Mal laut übt: „Er hat mich in jungen Jahren reingezogen, immer wieder Vertrauen verschenkt – nicht verteilt, verschenkt.“

Diese Wortwahl ist kein Zufall. Knorr will signalisieren: Der Trainer steht nicht über der Mannschaft, sondern neben ihr. Gislason habe ihn „entwickelt statt geduldet“, sagt Knorr. Und deshalb hoffe er, „dass es weitergeht“. Keine Forderung, keine Drohung – nur ein Spielmacher, der seinen Dirigenten behalten will.

Dhb lenkt druck in die länge

Dhb lenkt druck in die länge

Ingo Meckes, Sportvorstand des Deutschen Handball Bundes, sitzt zwei Reihen vor der Presse im Bremer Stadion. Auf die Frage, ob er die Personalie vor der WM 2027 klären will, antwortet er mit einem „Ja, aber …“. Es folgt das übliche Lavieren: Kein ultimativer Zeitplan, „kein unmittelbarer Druck“, dafür der Appell an „Planungssicherheit“. Übersetzt heißt das: Der Verband will nicht in Panik verlängern, aber auch nicht in letzter Sekunde handeln.

Die Faktenlage ist einfach: Gislason will bleiben, die Spieler wollen ihn behalten, die Heim-WM rückt näher. Was fehlt, ist die Unterschrift. Meckes betont, man wolle „Qualifikation und Entwicklung“ abwarten. Gemeint ist: Schafft Deutschland den Einzug ins Halbfinale der WM 2025 in Norwegen/Dänemark, wird der Vertrag verlängert. Scheitert die DHB-Auswahl, droht ein Machtwort statt einer Einigung.

Die stimmung ist längst entschieden

Die stimmung ist längst entschieden

Zurück in der Kabine laufen die Spieler barfuß über den Teppich, Handys in der Hand, Musik aus dem Lautsprecher. Gislason steht in der Tür, knöpft sein Hemd auf und lacht über einen Insiderwitz. Keiner redet über Verträge, alle reden über den nächsten Gegner. Aber die Chemie sitzt – und die ist selten in deutschen Handball-Jahrzehnten.

Die Ägypten-Spiele waren keine Meisterleistung, aber ein Lehrstück: Diese Mannschaft kann auch an schlechten Tagen gewinnen. Das war unter Dagur Sigurðsson selten, unter Christian Probst nie. Gislason hat den Kader nicht neu erfunden, er hat ihn ent-stressst. Statt taktischer Mikro-Modelle setzt er auf klare Rollen und emotionale Stabilität. Die Spieler spüren: Der Coach vertraut, bevor er fragt.

Ob das reicht, um den DHB-Vorstand zu überzeugen, entscheidet sich in den nächsten zwölf Monaten. Doch eins ist längst klar: Wenn die Verantwortlichen zögern, müssen sie nicht nur einen Vertrag verlängern – sie müssen eine komplette Mannschaft überzeugen, dass es ohne Gislason weitergeht. Nach den Worten von Golla und Knorr klingt das wie ein Befehl mit weichem Kern: Verlängert – oder wir holen euch die Stirnrunzeln zurück.